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Wenn SRF Angst vor Bloggern hat…

Auch wenn ich die Diskussion um das Leistungsschutzrecht nicht aktiv verfolge und meinen Blog vorwiegend als therapeutische Massnahme sehe, möchte ich den Ball von Ronnie Grob aufnehmen und im Sinn der Sache auf diesen Beitrag von SRF über das Leistungsschutzrecht hinweisen.

Und wie Ronnie es so schön in einem Tweet zusammenfast:

Ich bin sogar der Meinung, dass die Leute bei SRF ein wenig Angst vor uns Bloggern haben. Gerade dieses Verwursteln scheint deutlich gefährlicher zu sein als das reine Aggregieren welches durch Firmen wie Google verwendet wird um Geld zu verdienen.

Hier sind wir wieder mal bei einer der Grundfragen, die uns Bloggern immer wieder gestellt wird: Welchen Antrieb haben wir, um uns zu Themen zu äussern wenn wir damit keine monetären, politischen oder andere einfach zu schubladisierenden Ziele verfolgen?

11 Kommentare

  1. Ich kann zwar nicht für das ganze SRF sprechen, aber zumindest für mich und meine Redaktion: Nein, wir haben keine Angst vor Bloggern. Mir ist auch nicht restlos klar, wie dieser Eindruck entstehen konnte.
    Zudem haben wir uns recht deutlich gegen ein Leistungsschutzrecht gestellt, mit dem Hinweis, dass man damit den Bloggern das Leben schwer machen würde.
    Ich habe auf Ronnies Blog noch etwas detaillierter auf die Kritik geantwortet.

  2. Es ist ein katastrophaler Beitrag von SRF umso mehr, als der Zuständige für die digitalen Themen diesen offenbar zu verantworten hat. Selbstherrlich und im Stil einer Märchentante wird hier ein sehr wichtiges Thema verniedlicht und falsch dargestellt. Wir dürfen die Diskussion um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger auf keinen Fall auf einen Verteilkampf um Gelder zwischen Schweizer Verlegern und Google reduzieren lassen. Einen solchen Kampf würden die Schweizer Verleger politisch immer gewinnen. Welcher Politiker schlägt sich schon auf die Seite eines amerikanischen Konzerns. Nein, es äusserst wichtig, dass wir alle, die das Netz nutzen und um seine grossartigen Vorzüge für die Gesellschaft wissen, uns dieses Thema zu eigen machen. Es geht um uns Nutzer des Netzes, die durch ein solches zusätzliches Recht für die grossen Verlagskonzerne, massive Nachteile zu vergegenwärtigen hätten. Wir werden auf allen Ebenen kämpfen müssen, um dies zu verhindern. Bloggt darüber, klärt schon jetzt auf in Eurem Bekanntenkreis, auch wenn noch kein konkreter Vorschlag auf dem Tisch liegt. Macht den Menschen klar, dass es hier um die Wurst gehen wird, und dass jeder Vorschlag, der von den Medienkonzernen kommen wird, abzuweisen und abzuwehren ist, weil er immer eine Verschlechterung der heutigen Situation bringen wird. Für einmal ist klar, hier gibt es keinen sinnvollen Kompromiss. Es ist eine Kampfansage und wir müssen diesen Kampf gewinnen. Glaubt nicht, dass es um Snippets geht, oder dass es um Leistungen der Verlage geht, es geht um die offene Struktur des Netzes. Der Link muss siegen, denn ohne Link ist das Netz nichts wert.

  3. Hallo Andreas! Über Stil kann man streiten – mir gefällt die niedliche Optik. Dass wir das Thema alles andere als verniedlichen, sollte im Text- (und Onair-)-Beitrag deutlich geworden sein – auf den ich im Video auch hinweise. Und dort stellen wir uns auch deutlich gegen ein LSR, das dem Publikum und den Bloggern Hürden in den Weg stellt, nur um zumindest heute vernachlässigbar geringe «verlorene» Einnahmen zu sichern. Was an dieser Haltung so «katastrophal» und «selbstherrlich» sei, kann ich nicht ganz nachvollziehen, insbesondere, da sie sich nicht so weit weg von deiner zu befinden scheint.

  4. Hallo Guido. Es freut mich natürlich, wenn wir damit rechnen können, dass SRF eine Anti-LSR Haltung entwickelt. Und Du hast absolut recht, die Stilfrage ist eine Geschmacksfrage, da sind wir einfach anderer Meinung und lassen es am besten dabei bewenden, weil es ein Nebenschauplatz ist.

    Meine vielleicht etwas anstrengende Rhetorik, wenn es um das Thema Leistungsschutzrecht für Medienkonzerne geht, hat damit zu tun, dass ich zutiefst davon überzeugt bin, dass wir in ein Desaster schlittern, wenn wir das Thema nicht mit dem gebührenden Ernst behandeln.

    Als „selbstherrlich“ habe ich empfunden, wie der Beitrag mit einem aufgeblasenen Ballon beginnt, dem man einfach die Lust rauslassen muss und schon ist das Thema schon viel einfacher zu erfassen. Begriffe wie Demokratie und Pressefreiheit als rhetorisch Luft zu bezeichnen und das Problem auf ein Geldverteilungsproblem zwischen Google und den Schweizerischen Presseverlegern zu reduzieren, empfinde ich darum als „katastrophal“ weil ein solches Problem ja gang einfach von der Politik gelöst werden könnte, zugunsten der Presseverleger versteht sich.

    Und so kommt es am Ende des Beitrages auch heraus. Der Beitrag suggeriert, dass das ja eigentlich ganz simpel ist: die Verleger brauchen Geld um ihre Inhalte zu machen, und vor allem, hätten sie ein Recht darauf, und nun geht es nur darum zu entscheiden, und zwar politisch, wieviel sie davon „gerechterweise“ erhalten würden. Das bedeutet aber, dass es in jedem Fall einen regulatorischen Eingriff zugunsten der Medienkonzerne braucht und es nicht mehr darum geht, das Leistungsschutzrecht grundsätzlich zu verhindern, sondern nur noch darum, wie es ausgestaltet wird. Das ist meiner Meinung nach „katastrophal“, denn so haben die Medienkonzerne schon gewonnen.

  5. Andreas! Noch ein Missverständnis! Der Ballon-Einstieg ist nicht auf deine Rhetorik, sondern auf die der Verleger gemünzt. Verbandspräsident Lebrument oder Ringier-Scheff Walder haben so ein LSR begründet, es gehe um die Erhaltung der Presse und damit der Demokratie. Da bist du wohl mit mir einverstanden, dass das rhetorische Luft ist. Ich sehe aber ein, dass man diese Aussage aus deiner Warte auch auf sich beziehen kann.

    Dass wir suggerierten, Verleger bräuchten einfach nur Geld von Google, kann ich so nicht stehen lassen. Das Gegenteil ist der Fall. Im Text zum Video ziehen wir dieses Fazit: «Ein Leistungsschutzrecht würde Amateur-Blogger und auch Teile des Publikums in ihrer Nutzung von Inhalten einschränken. Es bleibt unklar, warum diese Nachteile in Kauf genommen werden müssten.» Das scheint mir recht deutlich zu sein. Auch onair haben wir ein LSR als sinnlos bezeichnet – also nicht nur die Form, sondern den Sinn in Frage gestellt.

    Ich teile auch nicht deine Interpretation, dass die Diskussion auf einen Kampf zwischen Verlegern und Google hinauslaufen wird. Mal abgesehen davon, dass «die Verleger» alles andere als mit einer Stimme sprechen: Sowohl der Verband Schweizer Medien als auch z.B. Tamedia haben uns gegenüber ausdrücklich Google vom Problem ausgenommen. Denn dass alle Verleger den Traffic der Google-Suche brauchen, ist eigentlich klar.

    Ich sehe deshalb die Situation auch nicht ganz so dramatisch wie du: Wenn es tatsächlich ein klarer Konflikt zwischen Verlegern und Google wäre, dann würde sich die Politik wohl veranlasst fühlen, die Einheimischen zu schützen. Doch die Argumentation der Verleger baut genau nicht auf diesen einfachen Konflikt; sie verrennt sich teilweise in sehr technischen Details und kann die Dringlichkeit des Problems nicht wirklich begründen (ausser eben mit Rhetorik). Ich könnte mir deshalb gerade so gut vorstellen, dass die Politik die Forderung zur Kenntnis nimmt, aber eher keinen Leidensdruck und damit Handlungszwang verspürt.

  6. Finde es schon mal schön, wie prominent hier die Blogger dargestellt werden. Kenne allerdings in der Schweiz nicht gerade viel Blogs, die mit Verwurschten nennenswert Geld verdienen. Eine handvoll?

    Verwurschtet wird Dritt-Content aber tagtäglich hundertausendfach auf Facebook, Google oder etwa Twitter, indem die User auf Artikel und andere potentiell leistungsgeschützte Inhalte verlinken. Ihr Sharing ist das Herz und die Seele dieser Netzwerke. Gleichzeitig machen sie aber so Werbung für die Inhalte der Verlage. Und das erst noch gratis.

    Fazit: Wenn schon Geld von Google und Konsorten verlangt wird, dann lasst bitte auch die User, also das Publikum, an den Einnahmen partizipieren.

  7. Lieber Guido. Ich würde mir ja wünschen, dass Du recht hast! Doch wir müssen wohl davon ausgehen, dass der Verband Schweizer Medien im Rahmen der AGUR12 Sitzungen seine Foderungen nach einem Leistungsschutzrecht so platzieren wird, dass am Schluss mindestens einem Teil im Rahmen der geplanten URG Revision stattgeben wird.

  8. Eine sehr spannende Diskussion, die sich hier in den Kommentaren zu diesem Artikel entwickelt.

    Was mir aufgefallen ist: Der Video-Beitrag suggeriert, dass Google News mit dem Verweisen auf Presseartikel Geld verdient oder verdienen möchte. Meines Erachtens eine klare Falschinformation – ob bewusst oder unbewusst sei nun mal dahingestellt.

    Google News hat in der Schweiz nie (und wird nach aktuellen Aussagen in der letzten Sonntagszeitung auch nie) Geld damit verdient, den Verlagen zusätzliche Leser (= potenzielle Neukunden!) zu verschaffen.

    Viele Schweizer Unternehmen wären froh, ein internationaler Grosskonzern wie Google würde ihnen so mir nichts, dir nicht gratis und ohne Gegenleistung zusätzliche Kunden bringen.

    Ich bin gespannt, wie sich die Sache weiterentwickeln wird.

  9. Das Leistungschutzrecht ist wieder mal so ein Thema der Ewig gestrigen und erinnert mich an den Aufstand der Fuhrhalter als die ersten Eisenbahnen gebaut wurden. Gewisse Presseunternehmen wollen nicht wahr haben dass sie plötzlich nicht mehr die einzigen sind, die Information verarbeiten, Obwohl ihr Geschäftsmodell nur funktioniert wenn das Produkt öffentlich zugänglich ist, wollen sie der Öffentlichkeit vorschreiben, wie sie mit ihrem Produkt umzugehen hat … und das bitte sehr nur auf die Weise dass das Businessmodell für die Presse aufgeht. Aus meiner Sicht ganz klar Nein, das kann es wohl nicht sein.

    Die Presse erhebt immer wieder der alleinige Anspruch für die Demokratie wuchtig zu sein und die einzigen zu sein, welche richtig mit Imformation umgehen können. Diese Anspruch ist ungerechtfertigt, denn über jedes Thema, das ich genau kenne, verbreitet die Presse Unfug, der meist auch volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet. Deshalb muss ich davon ausgehen, dass das selbe mit all iesen Themen geschieht, die ich nicht kenne. Ah… und wie ist das mit der Gerechtigkeit bezüglich Urheber? Was habt ihr an Twitter, Google und Wikipedia bezahlt für den Bezug von Informationen, die ihr dann später als eute eigenen verbreitet? Habt ihr gemerkt, dass manchmal auch in Wikipedia falsches steht? Ihr habt auf jeden Fall gemerkt, dass man vorgaukeln kann, mit den Lesern Kontakt zu halten, nur geht die Kommentarfunktion genau am Wochenende nich, werden die Kommentare „moderiert“ und die E-Mail der Reaktion bleibt unbekannt. … und für all diese Dienstleistung wollt ihr noch Geld. Nein, ganz sicher nicht!

  10. das ist richtig unterhaltsam. „Blogger verwursten für Geld.“
    Ob es wohl die Medienhäuser erschreckt, dass mit jedem Teilen ein neuer Link generiert wird? Der dann auch noch auf ihren Inhalt verweist.

    Publikum und Blogger sind nicht zu trennen voneinander bei der hohen Facebook-, Twitter- Dichte in der Schweiz und einem gleichzeitigem Konsum von Online und TV (70% der Internetnutzer).

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