Grundrecht auf Facebook & Co.?

24. Februar 2009 · 16 Kommentare · Gesellschaft

Seit letzter Woche ist bei uns in der Firma der Zugang zu Facebook gesperrt. Ein Schritt den ich sinnvoll finde. Einerseits aus persönlichen Gründen die hier zumeist bekannt sind, anderseits weil ich der Meinung bin dass Facebook in der Firma nichts zu suchen hat.

Nicht nur dass, ich bin sogar der Meinung dass in Firmen auch Nachrichtenportale und Social Communities (exkl. evtl. Xing und Linkedin) grundsätzlich gesperrt oder nur zu Randzeiten verfügbar sein sollten. Das heisst zum Beispiel bis acht Uhr morgens, dann über Mittag und abends nach 18h wieder.

In den anderen Zeiten hat der Arbeitnehmer nämlich zu arbeiten! Und wenn er seine Freundschaften bei Facebook pflegen will kann er dies ausserhalb der Arbeitszeit tun.

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1 bugsierer 24. Februar 2009 um 21:58

heute war doch irgendwo von einer studie die rede, die besagt, dass die leute höchstens 4 stunden pro tag arbeiten und den rest irgendwie verprokastrinieren. wenn man ihnen also facebook wegnimmt, dann weichen sie der arbeit halt anderswie aus. dass die firmen solche dienste sperren müssen müssen, sagt auch viel über die qualität der arbeitsplätze aus, die sie anbieten. auch lobo/passig berichten in ihrem buch reihenweise von weitherum akzeptierten techniken, wie man in firmen den tag am effizientesten und angenehmsten vertrödelt.

2 Sandro 25. Februar 2009 um 08:50

Ich finde das eine Frage des Vertrauens. Wenn man seinen Mitarbeitern misstraut und sie für kleine Kinder hält, nimmt man sie an der Hand und erstellt eine Whitelist von Seiten die sie anschauen dürfen. Ist das Vertrauen da und stimmt die Leistung, sollen Sie doch die Seiten anschauen die sie wollen, Stichwort Eigenverantwortung. Ich habe schon Aufträge gekriegt wegen dem Facebook Status. Unter Umständen ist das Sperren von FB, Xing etc. auch ein Eigentor…

3 kuschti 25. Februar 2009 um 09:41

Offtopic..
Läuft bei dir das Polldaddy Plugin? Also diese Version bei der man dann direkt in Wordpress Polls erstellen und verwalten kann?

4 Sam Bass 25. Februar 2009 um 09:54

Ist ein bisschen ein old school Ansatz (so ca. 200 Jahre alt). Die heutige Gesellschaft verändert sich bzw hat sich schon verändert. Man kann da schon sagen: das Alte war viel besser (“di hüttig Jugend”) aber das wird keinen grossen Unterschied machen.

Work und Life vermischt sich zunehmend – Spiel und Ernst. Klar, Manager der früheren Generation werden ihre Mühe damit haben. Die Cleveren sehen aber nicht nur Negatives in dieser Entwicklung – es ist einfach Realität. Siehe zB Firmensitze von solchen Firmen wie Google etc. Da wird man nicht sofort sagen: die arbeiten ja nichts mehr, da stehen ja überall Massagetische und Legos rum. Da kommt Arbeitsleistung 2.0 – ich kenne Leute, die darin arbeiten und genau wissen, dass sie sehr viel von ihrer Zeit an Google verkauft haben, eben nicht nur die Arbeit, sondern auch grosse Stücke der Freizeit – sie finden das auch ganz OK.

Mein Punkt: Work und Life vermischt sich, da sollte man sich nicht dagegen stemmen, man verärgert oder verliert so nur die jungen Leute. Schlussendlich müssen natürlich Projekte umgesetzt werden, wenn das darunter leidet, sieht’s anders aus – habe aber selten von negativen Beeinträchtigungen gehört (auch wenn Chefs Angst haben). Studien zeigen zum Teil ja auch das Gegenteil auf.

Dafür kommt ein neues grosses Thema auf: Work/Life-Balance.

5 theo 25. Februar 2009 um 10:18

Haben Arbeitnehmer das Recht auf rauchen?
Haben Arbeitnehmer das Recht auf telefonieren?
Haben Arbeitnehmer das Recht auf Kaffee trinken?
Haben Arbeitnehmer das Recht auf Presse lesen?
Haben Arbeitnehmer das Recht auf zusammen reden?
Haben Arbeitnehmer das Recht auf …

Betreffend Internetzugang braucht es erstens eine zugesicherte Bandbreite für die businessrelevanten Prozesse (in & out) sowie eine klar limitierte Bandbreite für privates Surfen. Auch wenn zum Beispiel Facebook erlaubt ist, darf dadurch (traffic) natürlich die firmenintern betriebene Website oder der Zugang aufs Bestelltool des Lieferanten nicht blockiert werden…

Ob der Arbeitnehmer arbeitet oder eben nicht (weil rauchen, kaffee trinken, Presse lesen, surfen, …) ist Chef- / HR-Sache! Oder eben: Vertrauenssache.

6 venedi 25. Februar 2009 um 15:41

Ich stimme bugsierer zu. Lobo und Passig sagen in ihrem Buch, worüber sich die Menschen in der “Neuzeit” seit jeher ärgern, es aber auch sich selber nicht eingestehen wollen.

Nicht Facebook ist schuld. Auch nicht irgendeine andere Internetseite.
Wenn der Arbeitnehmer sich wohl fühlt, seine Arbeit gerne macht und diese auch goutiert wird, dann wird er nicht das Bedürfnis haben, ständig auf FB rumzuhangen. Eine Sperrung des Internetzuganges nützt da herzlich wenig, sie ist denn eher kontraindiziert…

Arbeitgeber sollen sich mit ihren Mitarbeitern beschäftigen, ihnen Lob aussprechen, sie motivieren, für ein gutes Arbeitsklima und Vertrauen sorgen – dann können 24-Stunden freien Internetzugang anbieten, und die Leistungen der Mitarbeiter wären dennoch überdurchschnittlich!

7 Sam 25. Februar 2009 um 16:01

Wer wirklich viel zu tun hat, der wird wohl kaum viel Zeit auf solchen Seiten verbringen. Naja und irgendwie muss man sich halt die Zeit vertreiben, wenn man wenig zu tun hat. Also sollte eigentlich jeder selber entscheiden wie viel Facebook & Co. für ihn ok ist.

8 Christian Leu 1. März 2009 um 22:37

@sam bass
Ich denke man muss auch zwischen Old Economy und New Economy unterscheiden. Ich bin der Meinung bei uns hat niemand einen einen Facebook Account nötig.

@theo
Na ja, Zeitungslesen am Arbeitsplatz gibts bei uns eigentlich nicht.

@Sam
Ich finde der Arbeitnehmer darf da auch Vorgaben geben. Aber ich bin mir bewusst dass es auch immer noch Solitär gibt. :-)

@all
Ich finde dann einfach interessant wenn betroffene Mitarbeiter sich über den Verlust von Facebook beklagen, aber es doof finden dass man ja von zuhause auch seine Wall Messages kontrollieren könne.

9 bugsierer 2. März 2009 um 16:24

hier gibts neue infos dazu:

http://www.basicthinking.de/blog/2009/03/02/bitkom-studie-55-prozent-der-deutschen-koennen-ohne-internet-nicht-mehr-leben/

vor allem die ausführungen im zweiten abschnitt sind spannend: verschmelzung von arbeit und privat im internet…

10 Christian Leu 2. März 2009 um 22:22

ich habe heute morgen auch noch die Info erhalten dass Facebook am meisten Traffic verursacht hat in unserem Firmennetzwerk. Also bin ich auch der Meinung dass die Nutzung wohl nicht mehr angemessen war.

11 Anonymous 24. April 2009 um 09:43

Aber bestimmt gibt es Adressen, die auf Facebook führen, jedoch einen anderen Namen tragen? Ich weiß, dass bei uns im Raum Ulm den Teenies oft das Portal “Team-Ulm.de” von den Eltern gesperrt wurde. Die Adresse “www.i-lexikon.de” führt auf dieselbe Seite und umgeht die Sperrung. Ist sowas auch bei Facebook bekannt?

12 Christian Leu 24. April 2009 um 15:19

Ich glaub das Facebook keine alternativen Adresse hat.

13 Chris 24. April 2009 um 15:25

@Anonym
Allenfalls kann man einen Hostname bei DynDNS.org auf eine Facebook IP zeigen lassen. Das klappt aber wohl nicht

14 HackerFritz 2. Juni 2009 um 18:09

Finde ich gut, dann habe ich mehr Bandbreite für mich. Ich kann die Sperre sowieso überwinden.

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