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Rettet Facebook die Diskussionskultur?

Wie ich schon vor einiger Zeit geschrieben habe, hat es die Schweizer Post, aber auch die Swisscom oder Directories verpasst eine nationale Plattform zur Authentifizierung von Usern auf die Beine zu stellen.

Basierend auf openID hätte eine solche Plattform den Schweizer Verlagen, dem Online Handel und anderen Anbietern zur Identifikation von Usern angeboten werden können. Je nach Dienstleistung wären verschiedene Zugangslevel möglich gewesen, von einer einfachen Authentifikation bis zur kompletten Lieferung von persönlichen Daten wäre alles möglich gewesen.

Dadurch hätten insbesondere die Verlage in Diskussionen darauf zählen können, dass die Authentifizierungstelle den Namen hinter einem Account kennt worauf sicher auf solche Experimente im Kommentarbereich verzichtet werden könnte:

Was? Kommentierfunktion jetzt mit Zeichenbeschränkung? Was soll das bringen? Da muss man dann halt längere, den tumben Linken die Welt erklärende Voten auf mehrere Posts verteilen. Super Idee, ihr Oberen. Wer hat Angst vorm Volk?

Denn, das Volk bringt es meistens soweit, dass Diskussionen zu Beiträgen Qualitativ oder Quantitativ nicht mehr nachzuvollziehen sind. Meistens zerstören anonyme (und unbekannte und unerkannte) Nutzer konstruktive Diskussion innert Kürze.

Facebook Comments? Die Rettung?

Nun stellt Facebook aber eine verbesserte Kommentarfunktion für Webseiten zur Verfügung und grosse Seiten wie Techcrunch haben das Kommentarsystem gleich komplett umgestellt. Hierbei sehe ich wie Robert Scoble grosse Vorteile:

  1. Leute müssen mit ihrem Profil zu einem Kommentar stehen können!
  2. Anonymes Posten wird schwierig gemacht
  3. Die Anzahl Kommentare nimmt ab
  4. Die Qualität geht hoch
  5. Das Soziale Netzwerk ist wie eine Kontrollinstanz im Hintergrund aktiv

Ein kompletter Umstieg auf die Facebook Kommentarfunktion hat für die Verlage zwar ein Verlust der Kontrolle zur Folge, die Daten können aber transparent über die API Schnittstellen gesichert werden.

Der grosse Vorteil wenn Verlage wie Ringier nun ihre Kommentarfunktionen auf Facebook umstellen würde, wäre einerseits eine Minimierung anonymer Kommentare, dadurch wie bei Techcrunch auch eine Reduktion der Diskussionsbeiträge. Anderseits müsste sich jeder der kommentiert auch über die Tatsache bewusst sein, dass er mit seinem Profil zu diesem Kommentar stehen muss. Die Quantität würde abnehmen, die Qualität eher zunehmen.

Meiner Meinung nach wäre es an der Zeit, dass die Schweizer Verlage hier in den nächsten Wochen zumindest experimentell gewisse Publikationen umstellen. So könnte tamedia den neuen Politblog oder den beliebten Mamablog sehr einfach auf Facebook only Kommentare umstellen. Bei Ringier und der NZZ wären sicher auch Nischenprodukte und Randplattformen auf denen sehr schnell experimentiert werden könnte.

Weitere Informationen zu diesem Thema:

22 Kommentare

  1. Pingback: Päscu

  2. Pingback: chillsmau

  3. Allerdings könnte auch die Anzahl qualitativ hoher und (postitiv) provokativer Kommentare zurückgehen, da man sich bewusst ist, dass die Facebook-Freunde mitlesen..

  4. Soweit ich es verstehe, kann man immer noch wählen ob man will, dass der Kommentar in die eigene Wall gepostet wird oder nicht. Daher muss man nicht zwingend davon ausgehen, dass alles was man kommentiert von den eigenen Freunden gesehen wird. Aber dass man rückverfolgbar wird. :-)

  5. @puyol5:
    …und das ist auch gut so. Wer provoziert, muss auch einstecken können. Wer nicht einstecken will/kann, der muss sich eben ein bisschen differenzierter ausdrücken (oder seine Klappe halten).

    Facebook-Kommentare könnten ein Schritt in eine positive Richtung sein, jedoch ist auch facebook nicht die Lösung allen Übels in den Kommentarspalten dieser Welt. Schliesslich kann man sich ja auch dort falsche Profile anlegen und somit würde sich das Problem der Anonymität nicht lösen, sondern nur verschieben.
    Zudem ist Anonymität nicht die alleinige Ursache allen Übels. Ich selbst bewege mich ja auch mit einem Pseudonym* in der Netzwelt und bin dennoch (so hoffe ich wenigstens) im Stande, vernünftige Kommentare abzugeben.
    Ausserdem sehe ich ein gewisses Problem bei Personen, die über keinen facebook-Account verfügen (wollen). Soll man diese nun einfach von den Kommentaren ausschliessen? Hoffentlich nicht.

    *Die Gründe dafür sind übrigens mannigfaltig. Und wohlbedacht.

  6. ist aber auch irgendwie verständlich, dass es nicht zuerst staatliche institutionen sind, welche die internet-user freiwillig zur ID „motivieren“ können. facebook hat es ja quasi auch nur über die unverdächtige hintertür namens „fun factor & social discovery“ geschafft.

  7. @boumi
    Eine Post hat diese Vertrauenstellung schon immer inne gehabt. Mit den Prozessen zur Autenthifizerung der WebStamp Accounts könnte eine Identität geprüft werden. Dasselbe wäre bei Directories möglich gewesen. EIne Verknüpfung des Telefonbucheintrages mit einer virtuellen Identität. Die Akzeptanz wäre sicher da gewesen. Sogar Swisscom hat für Swiss Lotto diesen Prozess gemacht. Ich glaube es hat einfach an Weitsicht gefehlt. (Apropos, wäre mal wieder Zeit für einen Relaunch von Ymail).

  8. @christian:
    ja schon – an der vertrauensstellung zweifle ich nicht – aber dazu hätte die post vielleicht auch ein art social network anbieten müssen (im nachhinein betrachtet).

    bei facebook haben die user einen unmittelbaren nutzen, wenn sie sich identifizieren: sie werden von neuen und alten freunden gefunden und können auf verschiedenen ebenen sofort interagieren.

    und an sowas denkt vermutlich eben eine „staatliche“ institution nicht zuerst, wenn sie IDs vergibt: sie denkt an rechtssicherheit, zuverlässigkeit und weniger an spass ;-)

  9. Leumund, du könntest eigentlich als Vorbild und Vorreiter das Facebook-Login gleich auch bei deinem Blog einführen, wenn du es schon propagierst ;-)

  10. @boumi
    Ju klar. :-) Daran denken die zuletzt. Eh, die SuisseID ist ja ein Thema für sich nochmals.

    @päscu
    Habs mir überlegt, aus Zeitgründen liegt es momentan aber nicht drin. Ein weiterer Interessanter Faktor des Umstiegs auf Facebook Comments für Blogs und Medienportale ist natürlich die Verbreitung der Inhalte auf Facebook was bisher ja leider nur mässig Traffic brachte. Hier bringt vielleicht der optimierte Like Button wie auch das neue Kommentarsystem schon ein bisschen mehr Traffic.

  11. @christian: ach ja, die suisseID… ob mein verstaubter usb-stick wohl noch funktioniert? und wie lautete das passwort nochmal, dass ich damals festlegte?… ;-)

  12. Und was machen die Mitleser und potentiellen Kommentierer ohne Facebook-Account? Werden die ausgeschlossen?
    Da wūrde ich dem offenen OpenID-System (zB mit IntenseDebate) dem Vorzug gegenüber dem geschlossenen FacebookSystem geben…

  13. @christian die kommentare werden aus meiner sicht authentischer, doch das einheitliche layout entspricht nicht immer den eigenen vorstellungen.

    die „gefällt mir“ funktion kann durchaus als marketing instrument eingesetzt werden, doch das wirr war zwischen facebook anwendung und facebook seite erschwierigt die integration.

    @puyol5 die falsche profile sollten aus meiner sicht im kern zukünftigt behoben werden, was dann diese plattform nicht mehr so attraktiv macht

  14. Pingback: Mark Howells-Mead

  15. Pingback: Stephan Hochhaus

  16. Grundsätzlich halte ich es für sehr gefährlich seine kompletten Kommentare an Facebook abzugeben.
    Die Angabe, dass man damit qualitativ hochwertige Kommentare bekommen würde, ist schlichtweg falsch, denn ob jemand einen falschen Namen beim Kommentar eingibt, oder ob er sich innerhalb von 60 Sekunden einen Facebook-Account Namens amerikanischer Bundeskanzler zulegt, macht hier keinen Unterschied.

    Man muss allerdings vor Facebook den Hut ziehen, da haben sie wieder ein feines Kunststückchen gemacht um an mehr Daten zu kommen :)

  17. Mal ganz abgesehen davon, dass Facebook zu 90% aus heißer Luft besteht, die sicherlich in 2-3 Jahren abgeblasen sein wird, ist das hier vorgestellte System nichts anderes, als das seit Jahren bekannte Kommentarsystem bei dem man sich auf den Webseiten registrieren muss.

    Auch hier gehen die Kommentare deutlich zurück und die Qualitativ unteren Kommentare bleiben aus. Das gleiche würde man erreichen, wenn als Sicherheitsanfrage Wurzeln gezogen werden müssten.

    Facebook hat hier nur den Vorteil einer hohen Nutzerdichte zu bieten und für wenig Gegenleistung gibt man dann „Content“ gratis weiter.

  18. Müssen wir wirklich alles regulieren, kontrollieren, registrieren, überwachen, kennen und lenken? Nee, kommen Sie, das hat auch seinen Reiz!

    Was anderes: Was halten Sie davon, dass jetzt alle Hauhalte (auch solche ohne Radio und TV) Billag-Gebühren zahlen müssen?

  19. @MiH: gibt’s denn überhaupt noch Haushalte ohne jegliches Empfangsgerät (ja, Computer zählen auch dazu)?

  20. Interessant, mittlerweile kann man bei den Newsnetz Artikeln mittels Facebook Login kommentieren. Bin mir nicht ganz sicher ob es eine komplette Integration von Facebook Comments ist, oder ob man mit Facebook Connect und was eigenem arbeitet.

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