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Brainblackout, oder wie dir eine Testfahrt mit dem Tesla Model S P85+ jegliche Freude am Autofahren nehmen kann.

Leider nur Posieren mit dem Testfahrzeug für den eigenen Blog.

Du kennst das, du sprichst mit jemandem, dann läuft unverhofft eine attraktive Frau vorbei und schon weisst du nicht mehr, was du soeben sagen wolltest (keine Ahnung ob das bei Frauen auch funktioniert). Du hast eine Art Brainblackout, da dein Hirn soeben einfach nichts anderes mehr aufnehmen konnte. In etwa das gleiche passiert dir, wenn du in einem Tesla Model S sitzt, ein Gespräch mit dem Beifahrer führst und gleichzeitig das Auto beschleunigst. Ja, ein Brainblackout!.

Aber von vorne, Tesla Motors baut aus und sucht aktuell über 1000 Mitarbeiter weltweit. Einer davon wurde schon gefunden, nämlich der neue Sales Advisor für Bern. Ab sofort können interessierte Kunden nun eine Testfahrt auch ab Bern vereinbaren. Das passt zum Model S, wie das Model S zur Schweiz passt. Für die meisten Berner ist ein Ausflug nach Zürich in den Tesla Store nämlich eine minutiös zu planende Tagesreise und widerspricht dem normalen Reiseverhalten eines Schweizers komplett.

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Und ja, dieser Sales Advisor hat mich zu einer einstündigen Tesla Testfahrt in Bern eingeladen. Danke schön! Ich war ja schon seit längerem interessiert, mir das Nachfolgemodell des im Jahr 2010 getesteten Tesla Roadster mal aus der Nähe anzuschauen. Die Testfahrt beginnt natürlich mit einer iPad App, in der man einige Bedingungen zur Testfahrt akzeptieren muss und schon kann es losgehen. 

Danach folgt das ehrfürchtige Einsteigen in den extrem grosszügig gestalteten Innenraum. Frauen werden die grosse (Hand)Taschenablage zwischen Fahrer- und Beifahrersitz lieben, Männer sind natürlich von den beiden Bildschirmen und dem permanenten 3G Online-Access für die integrierten GoogleMaps und den Webbrowser begeistert. Die Kosten dafür, sind im Kaufpreis schon inbegriffen. Darauf warte ich bei Apple nun auch schon einige Zeit.

Kein Zündschloss, kein Startknopf, einfach D wählen und fahren.

Kein Zündschloss, kein Startknopf, einfach D wählen und fahren.

Die einzigen zwei Knöpfe sind für den Pannenblinker und das Handschuhfach, alles andere wird über den riesigen Touchscreen gesteuert. Faszinierend, wenn man sich das System anschaut, und dann sieht, was im Vergleich Firmen die seit Jahrhunderten Autos produzieren so als Multimediasystem verkaufen. Manchmal lohnt es sich, etwas neu durchzudenken.

Der Touchscreen im Tesla Model S

Der Touchscreen im Tesla Model S

Auch kompromisslos ist der komplette Verzicht auf eine Zündung in welcher Form auch immer. Es ist ja ein Elektroauto und da muss überhaupt nichts gezündet werden. Man steigt ein, stellt den Fahrschalter am Steuer auf D und fährt los.

Kein Startknopf, nichts. Einfach D und losfahren. Ja, losfahren, oder losgleiten, wie schon beim Roadster fühlt man sich in dem Film das fünfte Element. Man reiht sich geräuschlos in den Verkehr ein, man grinst, man steht an der Ampel und spürt beim Anfahren die Kraft dieser Antriebsart. Keine Verzögerung, keine Verlust, kein Lärm, man drückt auf das Gaspedal und fliegt davon. Vorsicht, ein Gefühl, das süchtig machen kann.

Und dann gleitet man aus der Stadt auf die Autobahn, und auch dort, man beschleunigt, 110, 120, 130, 140, kein unnötiger Lärm, kein Brüllen der Zylinder, sondern einfach Energie an der Antriebsachse. Jederzeit mit einem brachialen Drehmoment von über 600nM verfügbar. Man muss aufpassen, dass man beim Überholen nicht zu stark beschleunigt und den Tesla dem Vordermann ins Heck rammt.

Auch auf der Landstrasse Fahrspass pur. Man spürt die zwei Tonnen Gesamtgewicht und man überlegt sich, welches Potential Tesla hat, wenn man das ganze auf ein Vernunftsauto redimensionieren würde. Ein bisschen weniger Karosserie, die Fahrleistung eines 1,4l Kleinwagens und zwei Drittel der Reichweite. Das müsste doch machbar sein und könnte immer noch viel Spass machen wenn man beim Druck aufs Gaspedal die Zukunft spüren würde. Ich bin gespannt, was uns Tesla in diese Richtung noch bringen wird.

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Beim Fototermin in der historischen Altstadt von Murten zieht das Auto bewundernde Blicke auf sich. Tesla wird immer bekannter und das geräuschlose scheint viele Menschen genauso zu faszinieren, wie das moderne und potente Design. Hier steht ein neues Kapitel der Automobilgeschichte und ich bin überzeugt, dass Tesla einiges verändern wird.

 

Eine Veränderung, die Tesla schon eingeleitet hat, ist der Aufbau eines europaweiten Supercharger Stromtankstellennetzwerks. Dort kann jeder Tesla Besitzer seinem Fahrzeug in 30 Minuten um die 250km Reichweite einhauchen und zwar kostenlos!

Die erste Supercharger-Station der Schweiz steht in Estavayer-le-lac an der Autobahn A1 und ich hatte die Ehre diese gleich selber anzusteuern.

Auch hier, der Vorgang ist so einfach wie möglich. Auto abstellen, den Ladestecker der Station an das Rücklicht halten, worauf sich die Ladestecker-Abdeckung öffnet, den Stecker einstecken und schon wird mit 400 Volt Gleichstrom und bis zu 180 Ampere direkt auf die Batterie geladen. Stellt man sich vor, dass die Anlage für bis zu sechs Fahrzeuge gleichzeitig konstruiert ist, kann man sich kaum vorstellen, wie die Energie zur Anlage gebracht wird.

Fazit einer schlussendlich über zweistündigen Testfahrt:

Man sollte keine Tesla Testfahrten machen.

Zu sehr stinkt einem danach der eigene Verbrenner im täglichen Gebrauch. Das Fahrzeug ist im Gegensatz zum Roadster erwachsen geworden. Das Fahrverhalten ist nun auch auf der Autobahn genial und man wünscht sich mit dem Tesla einfach durch die Gegend zu cruisen, gemütlich mit der Gewissheit, dass man bei Bedarf davonziehen kann.

Den Wunsch kann man sich ab 70’000 CHF erfüllen, bei Tesla natürlich mit einem Klick im schön gemachten Online-Portal. Dort kann man sich zusammen mit dem Sales-Advisor sein Wunschauto zusammenstellen und wenn alles passt, wird direkt mit der Kreditkarte die Anzahlung von 2’500.- Franken bezahlt und nach einer Frist von 2 Wochen geht das Fahrzeug in die Produktionsplanung um dann ca. vier bis sechs Monate später vom Delivery Spezialist ausgeliefert zu werden. Übrigens, Tesla sucht noch einen Delivery Specialist für Bern

Leider nur Posieren mit dem Testfahrzeug für den eigenen Blog.

Leider nur Posieren mit dem Testfahrzeug für den eigenen Blog.

Info: Beim gefahrenen Testauto handelt es sich um das Model S P85+ mit einer Reichweite von 502 Kilometern, einer Beschleunigung von 0 auf 100km/h in 4,4 Sekunden, einer maximalen Motorenleistung von 476 PS und einem Drehmoment von 600Nm im Drehzahlbereich von 0-5300 Umdrehungen pro Minute. Kostenpunkt um die 120’000 CHF, priorisierte Lieferzeit von 4 Monaten.

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Ein detailliertes Video rund um das Model S findet man auf deren Website, für eine unverbindliche Probefahrt meldet man sich einfach beim Tesla Store Zürich an.

6 Kommentare

  1. Pingback: Tesla Testfahrt mit Tesla Taxi | Wilfrieds Blog …

  2. Pingback: Freude am Fahren! Den BMW i3 auf der Kurzstrecke getestet. • Der LeuMund.ch

  3. Pingback: m_Blog » Warum du keinen Tesla probefahren solltest. Und: Autopilot!

  4. So ähnlich wie Brainblackout hat es glaube ich auch ein Besitzer des P85D aus Amerika unter seinem Youtube Video beschrieben, wobei das Modell ja glaube ich nur etwa 3 Sekunden von 0 auf 100 braucht. Zumindest stand dort, dass er als Beifahrer den angefangen Satz nicht beenden kann, wenn der Fahrer unerwartet auf das Gaspedal drückt. Und auch, dass er sogar lieber Beifahrer in seinem eigenen Auto ist, als selbst fährt, weil man dann mit der extremen Beschleunigung nicht rechnet und es noch mehr Spaß macht. Ich würde jedenfalls auch sehr gern mal das Model S probefahren und finde ohnehin, dass es das Vorzeigemodell unter den Elektroautos ist, denn neben der Reichweite gefällt es mir auch vom Design am besten.

  5. Pingback: Blogger nach 24 Stunden Tesla-Wahnsinn wieder geheilt. - Der LeuMund.ch

  6. Hilfe, heute war es so weit! Die vereinbarte Probefahrt mit einem P85D inkl. Autopilot. Erst begutachtete Videos auf Youtube machten mich extrem neugierig. Mit 2 Arbeitskollegen und Instruktor starteten wir gaaanz langsam in der Stadt. Die bis dahin unbekannte brachiale Gewalt des Antriebs lässt sich absolut exakt dosieren. Geräuschlos schweben wir los, bis sich die Gelegenheit ergibt, an einer Kreuzung mal drauf zu drücken. Natürlich habe ich meine Mitfahrer gefragt… Bereit? Dann entfaltete sich schlagartig eine Vortriebskraft, wie soll ich das beschreiben… es fühlt sich an, als würde die Grosshirnrinde die Haarwurzeln am Hinterkopf berühren und man klammert sich ans Lenkrad …einfach brutal, wie das Fahrzeug anschiebt. Im Verlauf der Testfahrt musste ich feststellen, dass diese Art der Haarwurzelreizung schlicht süchtig macht! Als es dann dem Instruktor offensichtlich zu bunt wurde und dieser ins Geschehen eingriff, um den Autopiloten zu aktivieren, kamen plötzlich halbe Schweissausbrüche hinter dem Steuerrad. Nebenbei war ich einer der ersten in der Schweiz, die diesen testen durften. Ganz souverän kurvte der Tesla wie von Geisterhand die Landstrasse entlang, ohne schwanken und absolut spurtreu. Im Ganzen ein sehr gelungener Nachmittag der von der Arbeit der Ingenieure bei Tesla voll und ganz überzeugt hat!

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