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Coop verräumt die Plastiksäckli

Heute Mittag habe ich ausnahmsweise nicht nur meinen täglichen Apfel in der Coop gekauft sondern auch noch ein Denim Deo und ein Denim Duschdings.

sacmigros

Da mir schon vorgestern aufgefallen ist dass es in der Einpackzone nach der Kasse keine kleine weisse Säckli mehr hat, habe ich heute bei der Verkäuferin nach einem solchen gefragt.

Und siehe da, die Verkäuferin sagt mir ganz einfach dass es keine Gratissäckli mehr gebe.

Das heisst ich hätte also die Wahl mir eine Tragtasche für 30 Rappen zu kaufen oder die Artikel ins Auto zu jonglieren. Dazu habe ich natürlich umgehend die Pressestelle der Coop befragt und die folgenden Informationen erhalten:

  1. Die Entscheidung ob Plastiksäckli offen aufgelegt oder auf Nachfrage abgegeben werden liegt bei den Filialen.
  2. Die Verkäuferin hätte mir auf Anfrage ein Plastiksäckli geben sollen
  3. Insgesamt werden bei Coop im Jahr über 200 Millionen der dünnen Plastiksäckli im Kassen-, Gemüse- und Früchtebereich abgegeben

Scheinbar ist das ganze schon ein Thema in der Westschweiz. So habe ich in der Tribune de Genéve diesen Artikel gefunden der darüber berichtet dass die Migros Genf keine kostenlosen Plastiksäcke mehr abgibt. Dies als zweiten Schritt nachdem seit August 2008 nur noch auf Nachfrage kostenlose Plastiksäcke abgegeben wurden.

Weitere Informationen zu diesem Thema in Französisch auch bei Le Matin und als Google Suche. Ganz um was anderes aber auch um Plastiksäckli gehts in diesem Blogbeitrag auf Soziologie.ch.

24 Kommentare

  1. Ich find das grundsätzlich eine gute Idee. Viele (die meisten?) Plastiksackerl werden einmal verwendet und gleich wieder weg geworfen, was unglaubliche Mengen *unnötigen* Müll erzeugt.
    Wenn man stattdessen nur noch gscheite Plastiksackerl ausgibt, die dafür mehrfach verwendet, könnte da enorm was eingespart werden. (Ich behaupte Mal, dass 90% der 200 Millionen Plastiksackerl gespart werden könnten. Mindestens.)

    Es gibt so viel *schwierige* Möglichkeiten, Müll zu sparen – hier wär mal eine einfache. ;)

  2. Bei Marks&Spencer und Sainsburys in England kosten die Saecklein seit anfang Jahr 1p. Wer ein Saecklein wiederverwendet kriegt bei Sainsburys gar einen „Nectar Point“ (einen Superpunkt) gutgeschrieben. Richtig so!

  3. Wann muss man dafür bezahlen, einen Einkaufswagen benutzen zu dürfen?

    Konsequent wäre es – wer viel einkauft, wird heute schon an den meisten Orten für den Parkplatz zur Kasse gebeten …

  4. Also ich bin ja ein Migroskind. Aber auch da liegen diese Säckli nicht immer bereit. Ich hab mir irgendwie angewöhnt meine vier, fünf Artikel nach Hause zu jonglieren. Bei den Papiersäcken hab ich mir schon längst angewöhnt die Dinger mit in den Laden zu bringen. Ich konnte zeitweise meine Wohnung mit Papiersäcken auskleiden, so viele hatte ich zu Hause.

  5. Vielleicht sollte Coop mal wiederverwendbare Säcke, vergleichbar mit den blauen Taschen bei IKEA, kostenlos an den Kassen auslegen. Im Pfandverfahren können diese ausgeliehen werden und belasten die Umwelt weniger.

    Was meint ihr?

  6. @sebastian
    Plastiksackerl. Genau dieses Wort fehlt uns hier in der Schweiz. Toll.

    @oo
    Scheinbar werden in anderen Ländern (und im Jura) eifrig diese Plastiksäcke verboten.

    @rouge
    ging mir auch immer so. jedes mal eine neue tasche. der totale junggesellenoverkill. (Aber praktisch um dann alle 24 Monate mal die Bierflaschen und das Altpapier zu entsorgen)

    @ansgar
    Das Modell das oo aus England beschrieben hat. Superpunkte wenn man das eigene Säcklein hat. (Mit der Gefahr dass die Leute dann Robidogsäcklein klauen)

    Im Artikel über die Migros wird was von wiederverwertbaren Papiertüten geschrieben. Scheinbar ist aber die Papiertüte teilweise von der Energiebilanz schlechter als die Plastiktüte.

  7. In Anlehnung an eds („Wann muss man dafür bezahlen, einen Einkaufswagen benutzen zu dürfen?“) …:

    Wir werden es noch schaffen, dass wir Kassengebühren beim Bezahlen, Wägegeld beim Selbergemüseabwägenundeinpacken und Durchsagehonorare („Kasse zwei bsetze, Kasse zwei bsetze!“) kommentar- und protestlos schlucken.

    So wie bei den Banken, wo wir es seit Jahren einfach so hinnehmen, dass wir dafür bezahlen, dass die Bank ordentlich Buch führt über das Geld, das wir ihr leien. Und den Sonderzuschlag bei den Airlines, weil der Moscht etwas teuerer geworden ist.

    Wir gehen mir immer mehr auf den Sack!

  8. @marcel widmer
    Ja, wir können hier ja noch das ebanking bei den banken und das web checking bei den Fluggesellschaften nennen. Wir tun immer mehr selber und zahlen trotzdem noch für alles. Ich schliess mich dir an:

    Wir gehen mir immer mehr auf den Sack!

    @dave
    Die Mehrwegtaschen gibt es bei Coop auch. Wir sprechen hier von den kleinen kostenlosen Säckli die normalerweise bei den Kassen rumliegen. (Ich habe mal aus Versehen eine ganze Rolle kleiner Interio Säcklein eingepackt)

  9. @rouge ACK – Die Papiersäcke gehen mir auf den Sack.

    @marcelwidmer das wäre einen ausführlichen Post wert. #Selbergemüseabwägenundeinpacker

    Erklär mal einem Ami oder nur schon unseren Nachbarländern, warum Samstags soviele Schweizer mit gebrauchten Papiertaschen herumlaufen…. Das kann man jetzt auch positiv sehen. Auf alle Fälle ist es ein CH-Phänomen.

  10. was für ein scheinheiliger pr-gag. diese praktischen säckli sind im vergleich zum restlichen verpackungswahnsinn ein lauer furz. man lege ein solches säckli auf den tisch und daneben z.b. ein päckli kambly guetzli. und was sehen wir? die guetzli verpackung besteht aus einer eher massiven, vierfarbig bedruckten kartonschachtel, einem blister, in dem die 15 guetzli liegen, und dann noch das cellophan drumrum. schon rein in der materialmenge ist das ein riesiger unterschied zum hauchdünnen plastiksäckli, ganz zu schweigen vom materialmix (karton, druckfarbe, plastik).

    die gleiche heuchelei wird in der unsäglichen antiraucherkampa betrieben. ein einzelnes übel wird herausgepickt und aufs radikalste zurückgepfiffen, der ganze rest (klima, miese arbeitsbedingungen, ungesunde ernährung, totaldoping weiter gesellschaftskreise, verkehrstote, boni- und andere abzockerexzesse, welthunger, ungeschützter sex, etcpp.) – all das kümmert keine sau.

    doppelmoral nennt man das.

  11. Pingback: I BUY SOFTWARE - Aktion "Ich kaufe Software"

  12. @michel: oh, after eight, die reinste verpackungsorgie. da ist ja noch jedes guetzli separat eingepackt. nach dem motto „after uns die sintflut“. aber man gönnt sich ja sonst nichts. go ahead.

    @all: empfehle zum thema ein video über die kilometer, die produkte heute so zurücklegen, hier am beispiel einer simplen matratze, die 200’000 km auf dem ticker hat:
    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/2459884

    möchte ich übrigens hier nicht als ökoevangelist missverstanden werden. ich konsumiere all das zeug auch, aber ich finde, wir sollten wissen, was wir tun und nach wegen suchen, den ganzen wahnsinn wieder etwas mehr aufs lokale runterzuholen.

  13. Ich brauche die Säckli immer im Bad weil sie so perfekt in die Kosmetikabfallkübeli passen. Schade darum. Immerhin passen die Hundekotsäckli aber auch und die bezahl ich ja schön brav mit der Hundesteuer… In Solothurn gab’s übrigens Gratissäckli schon lange nur auf Nachfrage, war ganz erstaunt hier in Bern, als ich immer und überall solche fand.

  14. @chnübli: meine leergerauchten zigarettenpäckli kommen in den müll. unsere wg protestiert, wenn ich sie auf dem kompost entsorge.

  15. Die Aktion von coop und Migros finde ich absolut richtig und es kratzt mich auch nicht an meiner Ehre wenn ich als „Einkaufstaschenzumsupermarkttrager“ durch die Gegend laufe. Vielleicht ist es nur ein kleiner Schritt, aber immerhin einer in die richtige Richtung und einer, den ich selber gehen kann. Hier ein Säckli und dort eines sieht dann am Ende sonst eben halt so aus: http://reset.to/wissen/plastic-ocean-plastikinseln-im-meer
    Übrigens, es gibt wunderschöne Einkaufstaschen, mit denen ich viel lieber unterwegs bin als mit diesen Werbungsaufdrucken fremder Firmen und so schwer ist es auch wieder nicht, vor dem Gang zum Supermarkt an den Transport nach Hause zu denken!

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