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Die Globalisierung der Mobilfunkindustrie

Die Telekombranche verändert sich, die Telekom-Firmen scheinen aber nur zuzuschauen und lassen sich von Apple und Google im Rahmen des Smartphone Trends die Regeln diktieren. Meistens herrscht Hilflosigkeit und man versucht sich solange wie möglich an den alten Standards festzuhalten. Im Endeffekt wird sich die Telekombranche in den nächsten Jahren aber massiv verändern. Konzerne wie Google und Apple werden die Netzwerkinfrastruktur kontrollieren oder zumindest den Zugang zu dieser.

Ein grosser Fehler der Mobilfunkanbieter ist, dass auch international aktive Unternehmen primär national denken. Gerade diese Firmen könnten innerhalb der eigenen Netze schon lange die Grenzen aufheben und einheitliche Tarife ohne teures Roaming anbieten.

Es würde keinen Unterschied mehr machen von wo ich telefoniere, Daten nutze und Nachrichten versende. Der Transport der Daten kostet überall gleich viel, und die Netzwerkinfrastruktur erlaubt es jegliche beliebige Routen aufzusetzen. Aber die Provider sehen mehr Gefahren als Chancen einer solchen Öffnung. Warum nicht Datenplan und Lokaltarif in ganz Europa? Ich bin überzeugt, der Zuwachs an Kunden würde die entgangenen Roaminggebühren kompensieren.

Aber, erst wenn Apple, Google oder ein Startup sich nicht mehr auf den Profit einer Ländereinheit konzentriert, sondern Netzzugang als globales Paket sieht und anbietet wird sich die Branche bewegen.

Man stelle sich vor, Apple lanciert ein Angebot wie iTunes Music Match und erlaubt für 99$ im Jahr den weltweiten, unkomplizierten, unlimitierten Zugang in GSM Netze ausgewählter Partner.

Die Netzwerkbetreiber werden ähnlich der Musikindustrie mit einer pauschale abgespiesen. Im Endeffekt wird Apple mit einer solchen Flatrate Global gesehen ein Vermögen verdienen. Die Volumen wären so hoch, die Kundschaft würde ohne zu murren, sondern mit Begeisterung Apple für diese Revolution Geld bezahlen.

6 Kommentare

  1. Marco Demarmels 27. Januar 2012 um 13:30

    Apple hat ja jetzt eine dermassen volle Kriegskasse, dass sie damit neben der Finanzierung von Patentstreitigkeiten auch mal schnell einen Carrier aufkaufen könnte. Go figure ..

  2. Sascha: Es gibt ja auch in der Schweiz Unternehmen – Netvoip z.B. – die solche günstige Angebote haben. Leider ist die ganze VOIP Sache noch nicht wirklich komfortabel in den Smartphones eingebettet.

  3. Es geht ja nicht um das telefonieren an und für sich, da gibt es heute genugend Anbieter. Es geht um den Zugang zum Netz.

  4. Mathias Kienholz 28. Januar 2012 um 08:51

    Interessante Überlegungen. Dass ein solches Angebot eine grosse Nachfrage auslösen würde, bezweifle ich nicht. Aus Sicht eines Telcos dürfte die Qualität, die Zuverlässigkeit und der Zugang zum Netz allerdings eines der wichtigsten Assets sein in der Zukunft, um nicht eine reine Bit-Pipe zu werden und immer noch als Dienstleister und Marke wahrgenommen zu werden mit entsprechenden Umsätzen und Margen. Kaum ein Telco dürfte daher Interesse haben, sich „Apple“ und co. zu verkaufen. Das hat nicht mit mangelnder Innovationskraft zu tun, sondern u.a. auch mit Investitionsschutz. Daher dürfte das nicht so schnell Tatsache werden.

    Allerdings hat die Musikindustrie auch mal gemeint, sie könne noch jahrelang unbeschwert Tonträger verkaufen. Daher denken die Strategieabteilungen der Telcos weltweit schon in solchen Szenarien ;-)

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