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Flugblätter vs. Zeitungen

Vielleicht sollten wir uns von Roger mal erzählen lassen wie das damals war, als man noch mit dem Umdrucker, einer Matrize und viel Ethanol Flugblätter produziert hat und dann in Eigenregie auch gleich unter die Leute bringen musste. Heute ist dank Internet alles viel einfacher, wenn auch vielleicht weniger effizient.

So ist es immer wieder schön zu sehen wie die Presse den Blogs gleich seitenweise Platz zur Verfügung stellt um über deren Irrelevanz zu berichten. Natürlich haben die Zeitungen recht. Zumindest in unseren Breitengraden sollten wir uns damit abfinden dass man mit Blogs einfach keine Wirkung erzielen kann. Und wir sollten uns endlich mal von dieser sturen wir sind Blogger Einstellung verabschieden.


Im Endeffekt schreiben wir Blogger halt einfach in unserer Freizeit über Themen die uns beschäftigen. Und logisch sind es Themen die auch in den Zeitungen behandelt werden weil sie aktuell sind. (Oder sollen wir über den Wahlkampf Al Gore vs. Bush schreiben?) Daher auch die Häufung von Beiträgen zu einem Thema. Und genauso wie ich das letzthin schon beschrieben habe bringt es nichts 75 mal dieselbe Agenturmeldung in Blogs wiederzufinden.

Es kann aber sehr viel bringen wenn Meinungsträger ihre Meinungen zu diesen Themen kund tun. So kann eine Analyse zu dem Potential des iTunes App Store sehr wohl interessanter sein als die 75 malige Verbreitung der Tatsache dass es den App Store von Apple überhaupt gibt.

Diesbezüglich bin ich immer wieder erstaunt, wie eben sehr profilierte und gut geschriebene Blogs mit klaren Meinungen, zum Beispiel jenes von Manfred Messmer, nicht über 100 Feed Abonnenten kommen.

Das zeigt auch wieder, dass die RSS Technologie noch nicht wirklich Fuss gefasst hat. Und seien wir ehrlich, RSS Reader nutzen ist extrem zeitaufwendig. Ich lese heute eigentlich Blogbeiträge vorallem auf Grund von Hinweisen in Twitter.

Im Endeffekt ist eben relevant wo publiziert wird. So wird Bloggingtom zum Inside-IT Mitarbeiter (ob die Kolumnistenstelle jetzt frei wird?) und David Bauer bloggt ja sowohl selber als auch im kommerziellen Umfeld. Dass er jetzt für die Sonntagszeitung arbeitet zeigt ja nur wie durchgängig Bloggen und Journalismus ist:

I tried to do my own thing, but the trouble with your own thing is – you end up on your own.
aus Simple, Beta Band Heroes to Zeros, gef. von Mvh

Also schreiben wir einfach weiter, versuchen zu verstehen dass der eine für Geld und der andere zur Freude schreibt und finden wir neue Orte für unsere Publikationen. Ich habe irgendwie das Gefühl dass uns in Zukunft Facebook in dieser Beziehung noch einige Leser bringt.

15 Kommentare

  1. Pingback: Bla-Bla-Journalisten vs. Blogger « beiz 2.0

  2. Habe dazu noch aktuell 27 E-Mail-Abonnenten und im Schnitt 600 Uniques. Aber ist schon so, Blogs sind in der Schweiz nicht der publizistische Knaller. Aber was soll’s. Wir könnten ja mal messen, wieviele Leser so ein Artikelschreiber in einer Zeitung so hat. Wäre für die ziemlich ernüchtern (Wenn ich in einer Tageszeitung vielleicht ein, oder zwei Artikel wirklich von vorne bis hinten lese, dann war’s das schon).

    Abgesehen davon: Ich bin zumindest nicht so bescheuert, dass ich Leserbriefe schreibe.

  3. Lieber Leu,
    Du wirst vielleicht staunen, aber wir haben immer noch so ein Ding zur Verfügung und natürlich auch Schreibmaschinen (ich weiss gar nicht mehr wieviel, aber ich glaube etwa 3 Stück). Ein Freund hat mal einen Umdrucker mit allem Drum’und’Dran gekauft, in grösserer Menge.
    So könnten wir also jederzeit einen SchnappsBlog starten, greifbar ohne NetzAnschluss und Tastatur oder RSS. Moment – RSS = Roger’s Schreib Stube! Schon wieder eine Idee. Danke Christian!

  4. Stimmt schon. Wir Blogger in der Schweiz haben da keine Chance, obwohl wir eigentlich kleines Land sind….

    Mit deiner Behauptung RSS Reader zu nutzen extrem aufwendig ist, kann ich dir nicht zustimmen. Ich behaupte, dass Twitter viel mehr Zeit braucht. Aber da hat jeder so seine eigene Vorstellungen.

  5. dieses diletantische gejammer von wegen blogs seien ohne wirkung geht mir grausam auf den sack. was bauer da abgeliefert hat, ist nicht nur schlechter journalismus, sondern auch mieser stil und doppelzüngiges journaillengehabe. und die meisten blogger plappern ihm die mär der wirkungslosigkeit auch noch nach – was ist den mit euch los? geitz no? die these der absoluten wirkungslosigkeit neben dem anspruch nach dem grossen knaller ist ziemlich weltfremd und hat mit der intention des web 2.0 nix zu tun.

  6. Du siehst das genau richtig. Welcher Blog wurde gestartet um die Medienlandschaft umzukrempeln? Welcher Blog wurde gestartet um sich eine Existenz aufzubauen?
    Ich finde die ganze Diskussion ziemlich müssig. Haben die Printmedien wirklich das Gefühl, das sie von Blogs verdrängt werden sollen? Sie sollten lieber mal schauen, was sie von Blogs lernen können und dies auch umsetzen.

  7. Das positive an diesen Blogbashing Artikeln ist, dass es einem Gelegenheit gibt, sich wieder einmal richtig zu enervieren, eine Breitseite gegen die „Holzmedien“ abzufeuern und sich gleich danach wieder seinem eigenen Bloggärtlein ohne jeglichen journalistischen Anspruch widmen kann.

    @bugsierer Wieviel Blogs bewegen können, ist noch einmal eine andere Geschichte. Auch kleine Blogs können den Anstoss geben und eine gute Geschichte ins Rollen bringen.

  8. Mir gehts gleich wie vielen: Bloggen aus jahrzehntelangem Spass am Schreiben. Obs jemanden interessiert, ist mir egal. Mein Blog ist auch eine Art öffentliches Tagebuch, und ich freue mich, in 10, 20 oder 30 Jahren darauf zurückzublicken und die eine oder andere Gedankenstütze an längst Vergangenes drin zu finden.

    Hingegen freue ich mich natürlich – keine Frage -, wenn ich in den Bereichen „Konsum“ oder „Telekommunikation“ ein Thema setze, das „Holzmedien“ (in diesen Begriff hab ich mich in diesen Tagen verliebt) aufnehmen, z.B. den Holunderblütensirup. Oder das Betroffene aufscheucht (z.B. Sunrise). Oder das anderen im Alltag hilft (z.B. Akku-Probleme und Harddisktausch bei VAIOs; Spam-Anrufe von bestimmten Nummern).

    RSS-Zahlen als Massstab zu nehmen, ist ich sehr gewagt und zeugt auch etwas von einem Mangel an Fachkenntnis bzw. Einfühlungsvermögen ins Thema: Ich benütze RSS als Gewohnheitstier selbst auch kaum, und ich kenne niemanden ausserhalb eines sehr technophilen Kreises, der wüsste, was RSS überhaupt ist.

    Bauer hat in vielem sicher Recht – bevor man sich aber an so einen Artikel macht, sollte man zuerst mal einen über die eigene Zunft schreiben. Über die mangelhafte publizistische Qualität von Online-Produkten zum Beispiel (zufälligerweise primär aus dem Hause Tamedia), siehe beispielsweise http://blog.jacomet.ch/?p=1225 oder http://blog.jacomet.ch/?p=1093

  9. @andi
    Danke für deinen Kommentar.

    @roger
    Ich bin wirklich der Meinung wir sollten mal einen Aktionstag machen. So 10 Blogger die sich zusammen tun, die etwas spezielles schreiben, die das auf ein Flugblatt drucken und sich dann am HB Zürich 3 Stunden lang die Füsse in den Bauch stehen, den Mund fusslig reden und Flugblätter verteilen. Das wär doch was?

    @all
    wer ist dabei`?

  10. Ich bin dabei. Aber warum am HB und nicht vor der Redaktion der Sonntagszeitung oder dem Tamedia Gebäude? Und nur wenn der Bö einen Artikel in die Abendausgabe schreibt ;-).

  11. oder wir könnten gemeinsam das Sonntagszeitungsblog konzipieren und führen (und dann merken, dass wir Registration für Kommentare wollen).

  12. Pingback: Kein BlogBlog! | der leumund.

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