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Forum der Schweizer Aussenwirtschaft 2011

Wie schon 2009 und 2010 konnte ich auch dieses Jahr wieder am Forum der Schweizer Außenwirtschaft teilnehmen. In diesem Jahr hat sich das Forum leicht neu erfunden und Neu findet das Forum nur noch an einem Tag statt. Dies mit dem Ziel, noch mehr hochkarätige Besucher am Forum begrüssen zu können. Neu ist das Thema auch nicht mehr ein bestimmter Markt, sondern man widmet sich offener dem Exportbusiness und neuen Märkten als gesamtes. das Forum geht hier mit gutem Beispiel voran und erfindet sich neu.

Die OSEC, unterstützt vom SECO, der Credit Suisse und weiteren Sponsoren bringt am Forum der Aussenwirtschaft Unternehmer und exportierende Firmen zusammen um sowohl mit interessanten Referaten, aber auch viel Platz für Networking Impulse geben wird.

Das Forum wurde von OSEC CEO Daniel Küng mit einer kleinen Übersicht über die verschiedenen Marktregionen und die Trends im Export eröffnet. Ganz klar ist weiterhin Deutschland unser wichtigster und kulturell nächster Handelspartner, anderseits findet man aber die grössten Wachstumsmärkte natürlich in Asien. Die aktuellen Zahlen sprechen für sich, und ich denke die meisten exportierenden Schweizer Unternehmer sind sich dessen bewusst, aber im Verlaufe des Tages hört man auch immer wieder von Unternehmen die an zuvielen Orten gleichzeitig expandieren wollen, was teilweise zu Fehlinvestitionen führt. Nach dieser Einführung übernimmt Moderator Stephan Klapproth das Steuer und führt wie gewohnt elegant und mit viel Wortwitz und einigen interessante Meilensteinen der Geschichte durch das Programm.

Der erste Keynote Sprecher ist Kjell A. Nordström, Autor von Funky Business forever und Karaoke Kapitalismus. Nordström startet mit den schwedischen Werten, (security, security, security) und einer interessanten Aussage zu den Technologien die wir heute nutzen. Dank der Sozialen Netzwerke wurde ein neuer Status geschaffen. Nachdem man Jahrhunderte lang nur alleine oder zusammen war, ist es heute möglich auch alleine zusammen zu sein. Twitter ist hierzu der beste Beweis. Weitere Veränderungen in der Gesellschaft, die täglich um 5 Stunden längere Lebenserwartung, die Weltweit zunehmenden Singlehaushalte, der hohe Anteil an Frauen an den Universitäten und die Wettbewerbsvorteile durch die freie Presse und liberalen Staatsformen.

Um als Firma Erfolg zu haben sieht er die Schaffung von temporären Monopolen als ideale Basis um Erfolg zu haben. IKEA ist ein enormes Monopol, das in jedem Land in dem IKEA Filialen eröffnet die alten Strukturen zerstört. Andere Beispiele sind Apple, eindeutiges Anzeichen eines Monopols ist dann, wenn Menschen für Produkte anstehen. Monopole können geschützt werden indem man schneller als der Wettbewerb mit neuen Innovationen am Markt ist oder ganz einfach attraktiver wie zum Beispiel der Mini Cooper. Am Schluss bleibt der Pfau als Sinnbild, der sich für die Brautschau einfach schön machen kann, aber nicht fliegen, schwimmen oder was anderes kann. Lindström ist überzeugt, dass wir in einer grossartigen Zeit leben! Geniesst den Kapitalismus!

Danach wurde das erste Panel mit Daniel Badilatti von Café Badilatti und mit Mathias-Ulrich Koch durchgeführt. In jeweils 4 Fragen führt Klapproth durch die Diskussion. Die gegensätzlichen Bereiche vom Kaffeeröster Badilatti, zum Datacenter Recovery Spezialisten Olor Net AG sind sehr eindrücklich. Hier das Unternehmen dass einfach Kaffee macht und in alle Welt verkauft, auf der anderen Seite die Firma die Daten aus aller Welt in der Schweiz sichert.

Vor dem Mittagessen ging es dann in insgesamt 5 Workshops um verschiedenste Themen. Ich habe mir im ersten Workshop angeschaut was in der Studie zur Internationalisierung von Unternehmen von der Hochschule für Wirtschaft in Freiburg unter Leitung von Rico Baldegger und in Zusammenarbeit mit der Credit Suisse herauskam. Nach den Einleitungen von Baldegger und Charly Sutter hat dann Annette Heimlicher über ihre Erfahrungen in Sachen Internationalisierung der in Givisiez beheimateten Firma Contrinex gesprochen.

Im zweiten Workshop habe ich dank DHL einiges über die logistischen Herausforderungen der bestens bekannten Start-Up Unternehmer Sven Beichler und Christian Philippi von myswisschocolate.ch erfahren können. Sven hat in einem spannenden Referat aufgezeigt, welche Probleme in Sachen Pricing und Zollformalitäten entstehen wenn man in Schokolade in alle Welt exportieren will. Dies, wie DHL mit konkreten Lösungen die Versandpreisstruktur vereinfachen konnte, so dass man heute in viele Länder ab 30 Euro Warenwert versandkostenfrei versenden kann und welchen Vorteil ein Schweizer Unternehmen durch das KnowHow im Bereich der Verzollung profitieren kann waren die Hauptaussagen.

Nach dem Mittagessen kam es mit dem Vortrag von Jean-Claude Biver zu meinem persönlichen Highlight. Ich bin froh, habe ich die komplette Rede mit Soundnote aufgenommen und kann mir nun diese Motivationsrede immer wieder anhören. Es macht einfach Spass, zu hören (und in Erinnerung auch zu sehen) wie Biver all seine Aktivitäten bei Hublot auf seine drei Grundprinzipien prüft:

  1. Immer versuchen erster zu sein
  2. Einzigartig zu sein
  3. Anders zu sein

Besonders interessant ist, wie Hublot als Luxusmarke zum Fussballsponsoring kam, und wie man bis 2022 alle Events in diesem Bereich schon gebucht hat. Auf der anderen Seite war die Produktstrategie, indem man von den während 450 Jahren verwendeten Materialen Gold, Platin und Edelstahl Abschied genommen hat und heute Uhren aus Kohlefaser baut. Sicher nicht für jedermann, die Umsatzsteigerung von 2005 mit 32 Millionen auf über 300 Millionen in 2010 zeigt aber ganz klar dass die Firma Erfolg hat. Erfolg, der auch dank unserer Uhrmachertradition, der cleveren Schreibweise Swiss Made und ein weltweit einzigartiges Monopol der Schweiz im Luxusuhrenmarkt möglich wurde. (Wer Interesse am packenden Vortrag von J.C. Biver hat kann sich gerne bei mir melden.)

Im zweiten Panel wurden wieder 3 Unternehmer mit 4 Fragen konfrontiert. Besonders herausgestochen ist neben Daniel Thommen von der LOSTnFOUND© AG und Peter Jakob von der Jakob AG vorallem Michael Born von der Dacuda AG. Die Dacuda AG hat nämlich eine neuartige Computermaus mit integriertem Scanner entwickelt und nun an LG lizenziert. Schon im Sommer will LG ein erstes Produkt mit dieser neuen Technologie auf den Markt bringen.

Zum Abschluss des Tagesprogramms hat dann der kurzfristig für Dr. Peter Kruse eingesprungen Dr. Peter Kreuz über neue Wege der Mitarbeiterinnovation gesprochen. So einerseits über Motivationstests in denen erkannt wurde, dass für motorische Fähigkeiten höhere finanzielle Belohnungen durchaus zu höheren Leistungen führen, bei kognitivien Herausforderungen aber höhere Belohnungen in schlechteren Resultaten enden. Neue Motivationsmodelle, wie sie auch bei Google und anderen Firmen in Selbstverwirklichung versucht werden waren Bestandteil seiner Rede. Viele seiner Erkenntnisse findet man auch im Buch Drive von Dani Pink welches ich aber nicht unbedingt empfehlen kann.

Nach diesem spannenden und inspirierenden Tagesprogramm endete das Forum dann mit dem Networking Dinner, welches von der erst seit 1. April amtierenden Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch eröffnet wurde. Das Forum der Schweizer Aussenwirtschaft ist ein Anlass, den ich jedem exportierenden Unternehmer nur empfehlen kann.

2 Kommentare

  1. Marcel Haertlein 10. April 2011 um 20:33

    Vielen Dank für die gute Zusammenfassung. Auch bei mir „hallt“ der Vortrag von JCB noch immer nach. Eine sehr beeindruckende Persönlichkeit! Viele Grüsse und bis zum #awf2012

  2. Pingback: Petra Rickenbach

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