Permalink

16

Billiges Crowdsourcing bei Tamedia

Wie inspirierend sogenannte Hackdays sein können, habe ich dieses Jahr mal nach dem Open Data Day in Zürich beschrieben. Dabei scheinen auch andere auf den Geschmack von kostenloser Inspiration gekommen zu sein.

Wie ich bei Barnaby Skinner in der Kolumne der Sonntagszeitung lese, schreibt die Tamedia zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft Fashionfriends ein Open Developments Projects Weekend aus, auf dem sie bis zu 50 Entwickler einladen will um sich neue Ideen für ihre Plattformen zu holen. Dabei winken ein Überraschungspreis und zahlreiche Trostpreise und die Aussicht auf Umsetzung einer Idee im Hause Tamedia.

Hier scheint sich also mal ein Konzern nicht einfach an Open Source Software zu bedienen, nein, man geht sogar eine Stufe weiter und erhofft sich kreative Köpfe, deren Ideen man einfach abzapfen kann. Irgendwie ist das ja auch schon am angesprochenen Open Data Hackday passiert, wo die SBB grossartig Präsenz markiert haben und offene Daten für die Fahrplandaten versprachen um gleichzeitig die Idee eines Programmieres zu klauen.

Ich wünsche allen Programmierern, Designern und den anderen angesprochenen Zielgruppen, dass sie genug Arbeit haben, um bei solchen Spielchen nicht mitzumachen. Wer noch meint, dass sei ja eine gute Plattform um sich dem Tamedia Konzern zu empfehlen, dem rate ich an dieser Stelle gleich ab für ein solches Unternehmen zu arbeiten. Crowdsourcing? Gerne, aber dann zu fairen Konditionen!

16 Kommentare

  1. Spontane Ideen:

    – Ein Browserextension, welche per Crowdsourcing auf faktische Fehler in Zeitungsartikeln hinweist.
    – Ein Tool, welches Revisionen & Änderungen an Zeitungsartikeln darstellt und Alarm schlägt, wenn Artikel sich verändern.
    – Analysetool um potentiellen politische Tendenzen aus Artikeln und Zeitungen auszurechnen.
    – Statistiken darüber, welche Politiker, welche Parteien, welche Firmen und Konzerne wie oft und mit welchen adjektiven (Skandalös, hervorragend, ehrlich..) erwähnt werden.
    – Eine Browserextension, mit welcher man boulvardeske/sinnlose Artikel automatisch ausblenden kann.
    – Anonymisierungstool zum Umgehen von Paywalls.

  2. Ich habe dasselbe gedacht – billige Masche um Ideen abzukupfern. Wer da mit mitmacht, sollte sich das vorher gut überlegen und das Kleingedruckte genau lesen. Auf eine Beteiligung an einer guten Idee zu hoffen ist falsch entschieden.

    Der mit dem „Ideenklau“ seitens SBB ist falsch, da hast du dich an der Nase herumführen lassen :)

  3. Das Problem dieses Anlasses lässt sich meiner Ansicht nach auf einen Satz in den Teilnahmebedingungen reduzieren:

    > Die Teilnehmer/innen verpflichten sich, die Wettbewerbsbeiträge selber nicht zu nutzen und keinen Dritten zur Verfügung zu stellen.

    Diese Klausel läuft jedem mir bekannten Hackathon / Open Data Hack Day / Sprint entgegen und hat mit Open nichts zu tun. Da hilft es auch nicht dass die Tamedia den Begriff anderes besetzen möchte.

    Hier empfehle ich den OrganisatorInnen aus der Defensive herauszukommen und auf die Community einzugehen. Ich auf jeden Fall kann mir eine Teilnahme nicht vorstellen, denn sogar mein Arbeitgeber räumt mir mehr Rechte auf meinen Code ein und für diese Arbeit werde ich sogar noch bezahlt.

  4. dachte was ähnliches. Ich verstehe nicht, warum Unternehmen in dieser Art auf diese Kultur des Crowdsourcings eingehen. Entweder hat man es den Verantwortlichen nicht richtig erklärt, oder sie (k)leben immer noch im Profit-Denken, soviel abzusahnen wir nur möglich mit so wenig wie möglich Einsatz. Tja so läuft das nicht. Das kann nicht funktionieren. Es ist widerspricht dem Naturgesetz des Geben und Nehmens und wird dank Webentwicklungen immer klarer herauskristallisiert.

    Anders gedacht. Haben wir wirklich schon den Zenit dieser Entwicklung erreicht? Wenn nun schon Apple klagt, weil Ideen „geklaut“ bzw. optimiert werden. Ich meine Apple, der ehemalige Verfechter der Innovation, des Teilens … mich frierts

  5. Lieber Leumund.ch
    Liebe Community

    Besten Dank für eure Beiträge bzgl. „Open Development Projects.
    Wir schätzen die kontroverse Diskussion auf den Social-Media-Kanälen sehr und sind hierbei jederzeit empfänglich für Kritik.

    Gerne möchten wir die Gelegenheit nutzen, um auf den von Leumund.ch verfassten Kommentar einzugehen.

    Zum allgemeinen Verständnis der Intention von Tamedia hinter dieser Initiative:

    Es handelt sich hierbei lediglich um einen Wettbewerb, einen Testlauf, um Anschluss an die Community zu finden und einen regelmässigen Austausch mit Interessierten in den entsprechend an anderer Stelle erwähnten Bereichen zu gewährleisten.

    Zur vollständigen Information muss evtl. erwähnt werden, dass die Idee der Initiative VOR den Projektideen von der SonntagsZeitung und FashionFriends.ch entstanden ist. Heisst also, dass wir uns nach einer internen Evaluationsphase, in der wir spannende und herausfordernde Projektideen auf Produktebene gesucht haben, für die Beiträge von SZ und FF entschieden haben. Unseren Unterlagen auf http://www.tamedia.ch/odp ist zu entnehmen, dass wir im Rahmen eines zweitägigen Workshops zusammen mit den teilnehmenden Gruppen Umsetzungsideen entwickeln wollen. Keine vollumfänglich fixfertigen Produkte bzw. Applikationen, sondern vielmehr funktionale Prototypen. Den Gewinner-Gruppen winkt die Aussicht auf Umsetzung, garantieren können wir diese aber nicht. Die Preise stehen hierbei nicht im Vordergrund, sind aber sicherlich ein Zückerchen für Interessierte.

    Von Ideen anzapfen kann hierbei also nicht die Rede sein. Und zu implizieren, wir wollten hier Ideen klauen, ist wohl etwas gar zu voreingenommen.

    Hinsichtlich Teilnahmebedingungen haben wir die Kritik aufgenommen und sind bereit, diese auf Basis rechtlich machbarer Rahmenbedingungen anzupassen.

    Gerne möchten wir alle dazu einladen, den „Open Development Projects“ im März 2013 als Teilnehmender oder als Gast beizuwohnen, um ein eigenes Bild VOR ORT von der Veranstaltung zu bekommen.

    Wir sind überzeugt, dass wir für die Initiative genügend Teilnehmer finden werden, um ein spannendes und abwechslungsreiches Wochenende zu gestalten. Und natürlich muss sich niemand gezwungen fühlen, hierbei mitzumachen. Wenn jemand die Bedingungen nicht attraktiv findet und aufgrund dessen nicht mitmachen will, so lässt es dieser jemand bleiben. Wir haben hierfür vollstes Verständnis. Wir freuen uns auf eine weitere angeregte und sachliche Diskussion.

    Viele Grüsse,
    Mike

  6. Wie auf Twitter angekündigt, schreibe ich hier noch meine Gedanken dazu. Rechnet man die angstrebten 50 Personen mal noch in Personenstunden und damit auch Kosten um, kommt man bei einem Stundensatz von 150 – 200 Franken auf einen Betrag zwischen 120000 und 160000 Franken, der hier eingespart werden kann. Oder nicht als Personalkosten abgebucht werden muss, wie man es sehen mag.

    Und wenn ich mir dann die Bedingungen ansehe, dass als „Preis“ die Umsetzung des Projektes winkt, dann springt für mich als Teilnehmer für den betriebenen Aufwand nun wirklich nichts raus.

  7. Michael Rueetschli 20. November 2012 um 12:10

    Mittlerweile finde ich den Klau-Vorwurf nur noch lächerlich.
    Klar, eine tolle David gegen Goliath – Story zieht immer.
    Aber spätestens nach solchen Posts
    https://twitter.com/thlang/status/229587453642690560
    hätte klar sein sollen, dass da vermutlich nicht so viel dran ist, wie uns Barnaby Skinner (immerhin ist er Opendata.ch Board Member) gerne verkaufen möchte.

    Mfg
    Michael

  8. Danke allen für die Kommentare und Inputs. Ich denke ich habe hier meine Position dazu relativ klar beschrieben, aber sicher nicht zu einem Boykott aufgerufen (dies soll auch kein Shitstorm sein).

    Ob jemand sich zwei Tage Zeit nimmt um in diesem Projekt involviert zu sein hängt vom zu erwartenden Nutzen ab. So zum Beispiel Ueli, der zwar meint, es sei Ideenabgreiferei, aber vielleicht doch hingeht:

    Es wird spannend sein zu sehen, wieviele Teilnehmer man mobilisieren kann. Was mich erstaunt ist, dass man schon zwei konkrete Projekte verfolgen will und dort vorwiegend auf Prototypen als Ergebnis hofft. Hier ist tatsächlich die Rechnung von Claudio nicht falsch, wenn man einfach denkt, dass sich da 50 Leute ein Wochenende in den Dienst von Tamedia stellen lassen.

    Ich fände es nur fair, wenn Tamedia den Teilnehmern mindestens halt eine Reisekostenpauschale bieten würde. Was weiss, ich 150.- CHF pauschal. Immerhin will man ja auch aus möglichst vielen Bewerbungen auswählen und warum sollte jemand für ein Wochenende nach Zürich, wenn es ihn nur Geld kostet.

    Dass es am Schluss darum geht, „Ideen zu klauen“, bzw. halt politisch einfacher und korrekter gesagt, auf günstige Art und Weise Inputs von Aussen zu kriegen soll hier aber bitte niemand abstreiten. Denn was sonst, soll wohl der Treiber sein um einen solchen Anlass zu organisieren?

    @ruetschli
    Sorry, ich habe die Geschichte nie näher verfolgt, sondern nur Schlagzeilen gelesen und diese hier jetzt sehr plakativ in dem Beitrag eingefügt. Ich finde SBB Connect eine tolle Sache, habe es schon angetestet und leider den Blogbeitrag noch nicht gemacht. Bin gespannt was daraus wird, bin aber auch noch am zweifeln, ob es die Aufgabe der SBB ist, solche Social Tools zu erfinden.

  9. das hat sehr viel mehr als ein gschmäckle, was das reiche haus tamedia da aufführt. aber letztlich ist es nur eines von unzähligen (traurigen) bildern davon, wie ratlos und wenig kompetent man dort und in ähnlichen häusern im digitalen jetzt rumdümpelt.

    die unterirdische worthülsendrescherei auf dieser projektwebsite ist wirklich der hammer. tönt wie aus einer diplomarbeit in marketing von einem drittklassigen privatinstitut. von einem flaggschiffbrand wie tamedia erwarte ich mehr. viel mehr. extrem viel mehr. mit verlaub.

    das alles hat mit „open“ und dem ganzen netzphilosophischen kram null zu tun. sondern mit knallharten interessen, grosser verzweiflung, null konzept, schluddriger ausführung und anmassender selbstüberschätzung.

    hüte sich vor diesem event, wer kann.

  10. Pingback: Tamedia passt Hackday Konzept an. | Der LeuMund.ch | 20min, doodle, hackday, open source, tamdia, zürich

  11. Da Tamedia die Teilnahmebedingungen sehr entsprechend den Teilnehmern verbessert hat, haben wir teilgenommen und konnten durchaus ein positives Fazit ziehen:
    http://www.cubetech.ch/2013/03/14/tamedia-open-development-project-und-search-ch-redesign-ein-voller-erfolg/

    Spannend war es allemal und der Gewinn lässt sich doch auch sehen – nicht zuletzt war es in unserem Fall auch Networking und Teambuilding. Hab definitiv schon Wochenenden blöder verbracht :)

  12. Pingback: Tamedia lässt Fremde an seine Daten ran « Die MEDIENWOCHE – Das digitale Medienmagazin

  13. Pingback: David Blum

  14. Pingback: Unbenannt – David Blum

  15. Pingback: Nichtzeitungsleser – David Blum

Jetzt kommentieren: