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Voyage Voyage oder der Kluge schreibt im Zuge.

Der grösste Vorteil am Reisen war für mich lange Zeit immer die Absenz jeglicher moderner Kommunikationsmittel. Dadurch habe ich sowohl im Zug, als auch im Flugzeug einer Therapie gleich meine Gedanken mal nicht alle 2 Minuten durch eine neue Internet Seite in eine andere Richtung jagen könnnen. Lange Zeit habe ich jeweils die Zugfahrt zwischen Bern und Zürich dazu genutzt um unendlich schwierige langwierige Arbeiten zu erledigen.
Zumeist habe ich mir dann immer überlegt gleich bis St. Gallen weiterzufahren um danach über Genf wieder nach Bern zurückzufahren. Leider musste ich aber zumeist meinen Flug erreichen und wenn man heimkommt von der Reise hat man keinen Bock mehr auf solche Extrafahrten.

Mittlerweile soll es Karten und Modems geben die Unlimited sind. Damit hat man überall und immer Internet. Auch im Zug. Und eben auch Ablenkung. Also halt ich mich von diesen Karten fern. Denn eigentlich möchte ich weiterhin im Zug einfach mal einem Gedanken nachhängen oder eben eine lange aufgeschobene Arbeit erledigen.

Die SBB macht mir aber jetzt einen Strich durch die Rechnung indem sie denen die keine Karte wollen einen Internet Accesspoint Hotspot gleich in den Zug einbauen. Die Gefahr ist nämlich gross dass ich jetzt zumindest versuche mich über mein Guthaben am iPhone in den Access Point einzuwählen. Und wenn mir dies gelingen würde wäre ich dann gleich wieder abgelenkt. Ich stell mich zumeist ein wenig blöd an, und so hat es auch dieses mal irgendwie nicht geklappt. Denn was gibt es schöneres als mit 160km/h seinen Gedanken nachzuhängen. Richtig im Flow ist man da.

Dass irgendwelche bösen Mächte übrigens versuchen auch Flugzeuge mit diesen Access Points auszustatten ist wirklich fies. Denn Flugzeuge waren bisher auch resistent gegen die Karten. Nix unlimited. Sondern schön offline. Ich werde weiterhin die Zeiten auf Reisen geniesen dass ich ohne viel Ablenkung mehrere Stunden meinen Gedanken nachhängen kann. Ein schönes Gefühl, gerade für Menschen mit ADS/ADHS die sich gerne Ablenkung suchen. Geschrieben im IC727 zwischen Bern und Zürich und online gestellt im WLAN vom ZRH Airport

9 Kommentare

  1. …und sich diese Ablenkung auch immer schaffen.
    Ich kämpfe aber tagtäglich mit dieser „Art“. Zeitpläne werden immer sehr knapp, weil grad noch kurz dieser Artikel gelesen werden muss etc.
    Die Strecke BE – ZH (ca. 2x wöchentlich hin und zurück) nutze ich gerne um einfach mal eine Stunde in Ruhe zu lesen. Das Rattern des Zuges ist genug Hintergrundrauschen, damit ich mich konzentrieren kann. Irgendwie paradox, aber erfahrungsgemäss wahr.
    Als ich gester diese mein Mobile-Internet mit Laptop dabei hatte um etwas wichtiges zu erledigen, überkam mich schon fast ein komisches Gefühl. Zukünftig werde ich das dann doch lieber wieder sein lassen.

  2. Ganz frueher hab ich beim Pendeln noch ein Buch gelesen. Aber seit ich ein Notebook hab und der Akku durchhaelt, ist Zugfahren fuer mich Arbeitszeit und das Buecherlesen hat sich auf den jaehrlichen Ganzweitwegferienflugmarathon verschoben. Und irgendwie schaffe ich es, in der halben Stunde Zugfahrt deutlich mehr zu erledigen, als ich in einer Stunde im Buero erreichen wuerde. Man ist im Zug halt so schoen fuer sich und mit passendem Sound im Kopfhoerer von (fast) allen Stoerefrieden abgeschottet.

    Internet gehoert fuer mich als Softwareentwickler dazu, obwohl ich manchmal auch eine Weile ohne auskomme. Momentan nicht ganz freiwillig, weil ich das magere 50MB Guthaben der Swisscom schon aufgebraucht habe. Und leider gilt mein Vodaphone UK Unlimited Internet fuer 5 Pfund monatlich hierzulande nicht :(

    Es gibt dann aber auch Tage, wo ich einfach zum Fenster rausschaue und meine Gedanken kreisen lasse.

  3. Beim Lesen deiner Zeilen wurde mir wieder einmal klar: Unsere Freiheit besteht nicht nur in den Dingen die wir tun können, sondern auch in denen, die wir bewusst nicht tun.

  4. Absolut d´accord, ich möchte auch keine Karte, die im Zug funktioniert und finde es superklasse, dass auch das Natel ständig abreisst…! Auch wenn es völlig verrückt klingt, ich fahre extrem gerne allein Bahn.
    Ich kann einfach nicht all die Kleinigkeiten erledigen, die Mail und Telefon verlangen, deshalb muss ich auch nicht funktionieren sondern kann einfach lesen, denken, schlafen…
    Auch in meiner Rolle als Mutter ist es einfach wunderbar, ich bin weit weg, nicht ansprechbar, kann eh nichts ausrichten, alles muss von anderen gelöst werden und ich habe Pause.
    Und ebenfalls d´accord: Man muss es nur schaffen, sich diese Pause auch dauerhaft zu gönnen, nicht noch den Stapel „muss ich unbedigt lesen“ vom Schreibtisch mitzunehmen, eine Liste abzuarbeitender Telefonate einzupacken, die Blogbeiträge, die man noch unbedingt schreiben will ;-) …
    Andere machen Urlaub im Blockhaus weitab von der Zivilisation und ich freu mich schon über ein paar Stunden in der Bahn ohne UMTS ;-)

  5. Was viele nicht wissen und von der SBB nicht breit kommuniziert wird:
    Wer einen Swisscom Unlimited Stick benutzt, kann im Businessabteil der Doppelstöcker auf das WLAN zugreifen und zwar nicht nur zwischen Zürich und Bern. Auch in Richtung Chur und St. Gallen funktioniert es. Abgerechnet wird ganz normal über das Datenvolumen des Abos. Keine Zusatzkosten.

    Ich habe so dank WLAN kostbare 2.5 Stunden pro Tag, kann gelegentlich die „Reisetypen“ vertwittern oder arbeiten.

    Am Morgen arbeite ich in der Regel geschäftlich. Am Feierabend schreibe ich meist an den Blogposts für den nächsten Tag. Und wenn ich zu Hause ankomme, ist mein Internetbedarf eigentlich schon gestillt und ich kann mich auf anderes konzentrieren. Wie z.B. Abendessen kochen, waschen, putzen… ;-).

  6. Wie es so geht, muss ich mir jetzt ein Unlimited Abo holen. Also werde ich vermehrt auch im Zug noch kurz was schreiben oder senden. Aber ich werde auf jeden Fall versuchen die Zeit sinnvoll und auch offline zu nutzen. Mir bleibt ja immer noch das Flugzeug um meinen Gedanken nachzuhängen.

    @ralph
    Deine Variante ist natürlich auch nicht schlecht, mir fehlen manchmal diese 2,5 Stunden um mich im Internet umzuschauen da zuhause Freundin und die Kids halt auch immer das Gefühl haben man sitze nur am Computer, dabei holt man sich dort ja auch den ausgleich. Aber da fehlt es mir nicht am Internetzugang sondern eher am Arbeitsweg. Ich könnte ja anfangen mit dem Zug von Murten über Bern nach Fribourg zu fahren. Dann wäre ich auch eine Stunde unterwegs.

    @kurt
    Es ist mir eine Ehre in die Blogbibliotek aufgenommen zu werden. Ich werde dies noch in einem Beitrag verarbeiten.

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