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Ärger mit dem Belohnungszentrum

Tag 11 meiner selbstgewählten Alkoholaskese und ich bemerke eine leicht erhöhte Reizbarkeit. Nicht erst heute, nein, schon letzte Woche. Aber vielleicht doch schnell ein paar Worte zum Thema Alkohol. Ich will ja nicht, dass ihr denkt ich habe ein Alkoholproblem.

Mein normaler Alkoholkonsum würde in einer Online Dating Plattform wohl irgendwo zwischen nur in Gesellschaft und einmal die Woche bezeichnet. Also nicht wirklich regelmässig, immerhin trinke ich zuhause kaum, dafür gerade in München gerne mal ein Bierchen zum Nachtessen auswärts. Auf Geschäftsreisen habe ich mir angewöhnt bei der Rückkehr ins Hotel, oder zum Geschäftsessen auch gerne mal ein Bierchen als Starter zu trinken, gefolgt von einem Gläschen Wein. Alles mit Mass.

bierchen

Dazu kommt mein traditionelles alle zwei Monate mal ein wenig über die Stränge schlagen, bei dem ich dann auch gerne mal am Nächsten bei der Rekonstruktion des Abends auf die Zugabe von K.O.-Tropfen in einem meiner 75 doppelten Wodkas tippe. Aber spätestens nach zwei Tagen bin ich definitiv wieder auf den Beinen, ärgere mich vielleicht noch den einen oder anderen Tag über meine Masslosigkeit und gut ist. Auch hier, kein Grund zur Sorge.

Gewohnheiten und Muster

Umsomehr bin ich schon letzte Woche über mein Belohnungszentrum erstaunt gewesen. OK, jeden Abend um 16h30 noch eine dreistündige Autofahrt mit einem untermotorisierten Mietwagen in winterlichen Verhältnissen auf sich zu nehmen ist das eine, die innere Unruhe beim Gedanken an das verbotene Belohnungsbier bei der Ankunft das andere. Dazu kommt, dass ich Dinge, die ich sonst gelassener Hinnehme nun durchaus auch ein wenig zackiger kommentiere und ein wenig meiner Freundlichkeit verloren geht.

All dies sind durchaus erstaunliche Erfahrungen, die ich in dieser Form nicht erwartet hätte. Wie muss es da erst jemanden gehen, der sich sein tägliches Gläschen Wein erlaubt, und sicher kein Problem hat, für den aber ein Selbstversuch schon gar nicht nötig ist, schliesslich ist das ja keine Abhängigkeit, sondern Genuss. Hier kommen mir meine alten Verhaltensweisen, die ich als Raucher auch immer verteidigt habe wieder in den Sinn.

Und dieses Online?

Ich finde es spannend, eigene Gewohnheiten zu prüfen und hinterfragen. Es fängt mit einfachen Dingen an, unregelmässigen Dingen, die in uns schon zur Gewohnheit herangewachsen sind. Dazu gehören auch der andauernde Griff zum iOS Device, das Prüfen unserer Nachrichtenkanäle, Twitter, Facebook und Instagram, die Sucht nach Feedback oder Bestätigung aus der Aussenwelt.

Bildschirmfoto 2013-02-11 um 21.56.10

War es vor einigen Jahren noch das Rauchen, ist es heute das Netz, welches man kurz nach der Landung mit dem Flugzeug schon wieder einschaltet, und konnte man die paar Stunden gut ohne, ist es danach schon wieder allgegenwärtig. Ihr seht, das Thema für mein nächstes Experiment ist schon gesetzt. Ich freu mich schon auf einen Monat ohne mobile Daten.

4 Kommentare

  1. Spannend zu lesen, wie es dir ergeht in deinem Experiment. Die Reizbarkeit spüre ich hier auch, ob es wohl das Wetter und die Umstände sonst sind? So oder so bin ich gespannt, wie dein Monat weiter verläuft.

  2. Finde es gut, wenn Du die Gewohnheiten des alltäglichen Konsums hinterfragst. Ich frage mich allerdings, ob ein temporärer Entzug wirklich was bringt. Wäre es z.B. im Falle der permanenten Online-Nutzung nicht besser, sich den unbedachten Griff zum Gerät konsequent abzugewöhnen und sich zum Beispiel einen kleinen Plan zu erstellen, wie oft pro Tag und wie lang man es sich selbst gestattet? So könnte man sich doch eine „vernünftigere“ Nutzung besser antrainieren?

  3. @Sandra
    Du hast recht, vielleicht ist es auch der Schnee. :-)

    @Boumi
    Darüber mach ich mir dann Gedanken, wenn es soweit ist. Ich hatte aber schon Zeiten, da war die Ablenkung durch Social Media sehr viel grösser als heute. Ich denke aber, dass das radikale Überdenken während einer gewissen Zeit hilft, nachhaltig die Verhaltensmuster besser zu steuern.

  4. Es geht meistens weniger um Genussmittel sondern, wie Du schreibst um Belohnungen und Gewohnheiten. Diese Gewohnheitsschleife (wenn es denn jemanden stört) kann man wenn man es denn will, leicht unterbrechen. Ein Auslösereiz löst eine Routine aus und am Schluss folgt eine Belohnung. Wenn man die wirkliche Belohnung identifiziert ( zum Beisp. Entspannung) kann man diese anstelle des Belohnungsbiers durch etwas anderes ersetzen. (fällt mir aktuell zwar nichts anderes ein). These ist nicht von mir, sonder spannend hier nachzulesen: DIE MACHT DER GEWOHNHEIT (Warum wir tun was wir tun) von CHARLES DUHIGG

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