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Friendadvisor, oder wann wird Dating endlich richtig Social?

In den letzten zehn Jahren hat sich bei den Online-Dating-Diensten einiges getan. Die grossen Player, Parship, Elite-Partner und cDate kassieren nun gross ab, es gibt genug Menschen, die ihre Hoffnung aus den grossen Werbeversprechen ziehen. Durch die vielen Nutzer können die Portale auch immer wieder was bieten, aber unter uns, die Auswahl ist erbärmlich und ich neige nach wie vor dazu, diese Portale Restebörsen zu nennen. Also hat sich seit meiner Prognose von 2011 eigentlich nur wenig getan.

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Auch wenn dort momentan gross kassiert wird, die Zukunft liegt im mobilen Dating, immer mehr neue Apps entstehen, die dem Nutzer versprechen auf einfache Art und Weise Leute aus der Umgebung kennenzulernen. Dort bleibt aber nach wie vor das Problem, dass Frauen hunderte von Anfragen erhalten, bei Männern aber meistens das Postfach leer bleibt. Das heisst, Frauen müssen sieben und können vor lauter Angeboten kaum entscheiden, Männer müssen überall versuchen auf sich aufmerksam zu machen.

adopteunmecUm diese Problematik einzugrenzen, gibt es mittlerweile interessante Ansätze, zum Beispiel Shop-a-man.de, eine Kopie des französischen Adopte-un-mec. Hier entscheiden nur die Frauen, wer in den Einkaufskorb kommt, kann eine Nachricht schicken, alle anderen dürfen höchstens mit einem Klicken auf sich aufmerksam machen. Hat man einmal den Posteingang einer Frau gesehen, die aktiv bei Shop-a-Man ist, weiss man, wie schwierig es ist, unter 1000 Standardbenachrichtigungsmails überhaupt aufzufallen.

Im mobilen Markt sind Apps wie Badoo und Lovoo sehr beliebt. Mit dem Umgebungsradar sieht man, welche möglichen Dates um einen herum sind. Die Qualität der Kontakte ist aber sehr spärlich, oder die Apps sind für jüngere mit einem anderen Kommunikations- und Paarungsverhalten ausgelegt. Eine Variante, um die Kontakte aus Facebook auf gegenseitiges Interesse zu testen war kurzfristig Bang-with-friends, die nun aber unter dem Namen Down doch eher auch auf die Vermittlung von Dates umgesattelt sind. Geht es bei Down noch um die eigenen Facebook Freunde, geht Tinder eine Runde weiter und zeigt ortsbasiert Profile von anderen Nutzern. Hier werden abgesehen von einer kleinen Bio nur gemeinsame Kontakte und Interessen gezeigt.

Ein Wisch nach rechts und die Person ist vorgemerkt, bei gegenseitigem Interesse wird ein Chat eröffnet und man kann sich so kennenlernen. Also genau so wie im folgenden Video, man hat tagsüber 100 Chancen tolle Leute kennenzulernen, macht es aber dann doch lieber im stillen Kämmerlein.

Tinder – #ItStartsHere from Tinder on Vimeo.

Ein Punkt, der bisher in all diesen Apps fehlt, ist das eigene soziale Umfeld. Sieht man bei Tinder zumindest schon gemeinsame Freunde, die zumindest eine Art Vertrauensbasis bilden können, bin ich der Meinung, dass auch Dating auf Empfehlungen basieren könnte. Warum soll man sich bei Dating immer nur auf selbstzusammengestellte Biografien, irgendwelche psychologisch abgesicherten Tests oder weitere Erfindungen der Dating-Industrie verlassen? Warum sollen nicht Freunde eine grundsätzliche Typ-Einschätzung mit einem Stärken-Schwächen-Check abarbeiten und damit einem Profil ein Profil geben?

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Warum nicht, wie bei LinkedIn Leute für etwas empfehlen. Ein guter Koch, ein Filmkenner, der die ganze IMDB auswendig kennt? Ein guter Autofahrer, ein Gentleman, es gibt hunderte Attribute für die ein Mensch ausgezeichnet werden könnte.

Warum soll so ein Profil dann nicht auch von den Freunden in ihren Facebook- und Twitterfeeds geteilt werden? Ist es nicht das natürlichste der Welt, dass Freunde von Freunden immer schon ein gewisses Vertrauen geniessen, dasselbe mit Arbeitskollegen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Online-Dating mehr aus der dunklen Ecke der Elite-Partner Datenbunker kommen sollte und bin gespannt, ob ein solches Konzept demnächst aus einer Softwareschmiede auf den Markt kommt, vielleicht von OkCupid, der gemäss eigenen Angaben besten Dating Seite der Welt?

OKCUPID

Disclaimer: Ich bin im Advisory Board der Mediazimmer GmbH, die unter anderem Swissflirt.ch betreibt. Meine Meinung und Einschätzung zu den Entwicklungen im Bereich Online-Dating sind aber rein privater Natur und haben auch keinen Bezug zu den Plattformen der Mediazimmer GmbH.

1 Kommentar

  1. Dann wünsch ich dir gutes „Jagen“! Das Hauptproblem ist wohl, dass Frauen wie Männer meinen zu wissen, wer zu ihnen passen könnte. Und nicht mehr out of this box denken wollen… Manche! haben Glück, und werden vom Leben überrascht :)

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