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Strom sparen und steuern mit myStrom

Das myStrom System ist ein in der Schweiz entwickeltes System zur Erfassung von Stromverbräuchen im Privathaushalt und besteht aus verschiedenen Systemkomponenten.

Die myStrom Adapter gibt es in zwei Ausführungen, eine Variante mit integriertem Powerline Modem und eine nur mit Strommess und -schaltfunktion. Die Mastereinheit überträgt in jedem Fall über die integrierte Ethernetschnittstelle die Daten an den damit verbundenen Dienst mystrom.ch zur Visualisierung.

Die Installation der verschiedenen Adapter ist ganz einfach. In die Steckdose vor den Endverbraucher stecken, per Knopfdruck mit dem Master verknüpfen (pairen) und schon kann ich den Stromverbrauch der angeschlossenen Geräte sehen.

Insgesamt bis zu neun Ampere kann pro Adapter angeschlossen werden. Ideal für die Zuleitung zu meinem zentralen Home Networking Equipment. Das System hat folgende Grundfunktionen:

  • Stromverbrauch messen und anzeigen
  • Stromverbrauch zeit- oder ferngesteuert unterbrechen
  • Alarmierung bei eingestellten Grenzwerten über E-Mail
  • Powerline Netzwerkverbindung zwischen verschiedenen Geräten

Powerline Modem als Netzwerkadapter

Die myStrom Adapter gibt es mit integriertem Powerline Modem zur Ethernet übertragung zwischen verschiedenen Endgeräten. Gerade bei SwisscomTV Installationen macht ein solches Modem vielfach Sinn, wenn man zwischen Router und Fernseher keine neuen Kabel ziehen will. Gleichzeitig hat man damit mit einem Starterkit schon den Stromverbrauch von Home Entertainment und dem Computerarbeitsplatz unter Kontrolle. Mit einem weitere Adapter können dann noch weitere Verbraucher im Haushalt kontrolliert werden. Hier ein schön gemachtes Video in dem die verschiedenen Möglichkeiten erklärt werden:

Verbraucher überwachen.

Der Anschluss von Verbrauchern wie Lampen ermöglicht danach die Fernsteuerung dieser Komponenten, der normale Lichtschalter kann dann aber nicht mehr benutzt werden. Für die Nutzung an Kaffeemaschinen und anderen nur zeitweilig benutzten Verbrauchern ist der Adapter zwar geeignet, da er aber keine automatische Standy-By Aktivierung bietet, macht unter Umständen einen EcoMan Adapter oder eine Kaffeemaschine wie die Nespresso Pixie mit integriertem Stromsparmodus mehr Sinn.

Ist das System mal eingerichtet, hat man über die Website mystrom.ch Zugriff auf die aktuelle Installation die auch nach Räumen aufgeteilt dargestellt wird.

Die einzelnen Verbraucher lassen sich dann über den Webclient ein- und ausschalten oder gleich einen Zeitplan definieren. Das heisst, ich könnte zum Beispiel mein Synology NAS, den Router und das Wireless Lan über Nacht immer ausschalten lassen und damit einiges an Strom sparen.

Verbrauchskontrolle

Das interessante Feature ist, die Verbräuche dann über die Zeit zu kontrollieren und protokollieren. Wie ich schon in meinen anderen Beiträgen zu diesem Thema geschrieben habe, macht es durchaus Sinn den eigenen Stromverbrauch zu kennen und dadurch sien Verhalten anzupassen. Im Gegensatz zum Owl System, sieht man den Stromverbrauch nur wenn man sich im Webdienst einloggt. Dadurch entfällt die Sensibilisierung von Familienmitglieder wie das zum Beispiel beim Wattcher wiederum möglich ist.

Strommessen nur mit Premium Abo?

Abesehen vom Powerline Modem und dem Ein- und Ausschalten sind die schönen Funktionen rund um die Stromsparfunktionen nur nutzbar, wenn man einen Premium Account für 79.- Franken pro Jahr hat. Für mich eine etwas starke Einschränkung, will ich doch zumindest den aktuellen Stromverbrauch auch weiterhin ohne Premium Abo sehen wollen. Ich habe dazu Tom Kienle, dem CEO von myStrom ein paar Fragen gestellt:

Interview

mit Tom Kienle, Ceo der myStrom AG

Christian Leu: Das myStrom System ist ein tolles Produkt, das mir hilft meinen Stromverbrauch zu visualisieren. Warum verliert es genau diesen Punkt wenn ich keine Premiumversion kaufe? Es wird dann zum einfachen Powerline Modem.
Tom Kienle: Dies ist nicht ganz richtig. Sie können ohne Premium Account die an den Adaptern angeschlossene Geräte fernsteuern. Bez. Stromverbrauch müssen wir unterscheiden zwischen momentanem Stromverbrauch und Verlauf des Stromverbrauchs inkl. Kosten. Der zweite Punkt ist ist mit grösserem Auwand verbunden und daher im Premium Paket.

CL: Was muss ich tun um die 70 Franken für den Premium Account mit Stromsparen wieder einzusparen?
TK: Man sollte nicht vergessen, dass myStrom ein Energie-Management-System ist welches einem erstmals eine Visualisierung des Stromverbrauchs und den daraus resultierenden Kosten bring und dabei hilft, den Verbrauch einzelner Geräte kennen zu lernen und zu optimieren. Im Prinzip ist es ganz einfach. Sie müssen 70 Watt über 24h und 365 Tagen einsparen. Dies wird nicht nur durch intelligentes Schalten erreicht sondern auch mit der Sensibilisierung des Kunden. Kunden können erstmals einfach herausfinden was wieviel Strom braucht und kostet. Dieses Wissen führt automatisch zu mehr „Aufmerksamkeit“ resp. einer Verhaltensänderung bez. unnötigem Stromverbrauch und ist in Zukunft, wenn die Strompreise ansteigen, noch mehr Geld wert.


CL: Wie hoch ist die Stromaufnahme der einzelnen Adapter.
TK: LAN (mit Ethernet) 1.6 Watt (standby) / 5.0 Watt (Betrieb) / Control (ohne Ethernet) 1.6 Watt (standby) / 2.3 Watt (Betrieb)

CL: Können sie sich vorstellen Ihre Geschäftspolitik zu überdenken und zum Beispiel die Visualisierung des Stromverbrauchs im Grundumfang zu haben und dann die Funktionen wie erweiterte Berichte, Fernsteuerung und Alarmierung als Bonus zu verkaufen?
TK: Wir sind nicht fixiert auf unser heutiges Modell. Umfragen beim Service-Design haben gezeigt, was Kunden möchten und wofür sie bereit sind Kosten in kauf zu nehmen. Wir werden dann flexibler, wenn sich abzeichnen würde, dass kein Markt mit dem heutigen Modell existiert.

Kaufen:

Die myStrom Adapter gibt es in zwei Ausführungen direkt online zu kaufen. Jeweils mit oder ohne integriertes Powerline Modem, das Starterkit für 169.- bzw. 129.- Franken, zusätzliche Adapter für 69.- bzw. 49.- Franken.



Fazit

Die Lösung von myStrom ist wohl primär als Powerline Modem mit Zusatzfunktion entwickelt worden. Die Installation ist einfach, gerade für den Anschluss von Geräten wie SwisscomTV ist Powerline eine der elegantesten Varianten um keine Kabel zum Fernseher ziehen zu müssen. Die integrierten Strommessfunktionen sind durchaus nutzbar, in einem Haushalt mit mehreren Personen fehlt aber eine sichtbare Verbrauchsanzeige wie beim Owl genauso wie die Möglichkeit den Gesamtverbrauch des Haushalts zu messen.

Vorteile

  • Einfach zu installieren
  • Kein Eingriff in Stromzuleitung oder Stromzähler
  • Gleichzeitige Nutzung als Powerline Modem z.b. für SwisscomTV
  • iPhone App zur Kontrolle und Steuerung
  • Schön gemachte Website mit Visualisierung der Daten

Nachteile

  • Es wird nur ein Teilverbrauch visualisiert
  • Keine Möglichkeit fix installierte Komponenten wie Backofen, Waschmaschine etc. in die Aufzeichnungen einzubinden
  • Jährliche Kosten um die Grundfunktionalität Stromverbauch messen zu nutzen

Disclaimer und Produktideen

Ich habe von mystrom.ch die Adapter kostenlos zum Testen bekommen und habe mir nun ein kostenpflichtiges Jahresabo für die Premiumfunktion gekauft. Ich wünschte mir die Basisversion mit der Anzeige der momentanen Verbräuche und eine Premiumversion mit Aufzeichnung der Daten und einer API Schnittstelle um eine visuelle Anzeige des aktuellen Verbrauchs wie bei der Busstop-Lampe zu realisieren. Wenn die einzelnen Adapter dann noch mit einer Standby-Funktion ausgerüstet würden, die nach erreichen einer unteren Schwelle die Verbraucher komplett ausschalten wäre das myStrom Produkt die eierlegende Wollmilchsau der Strommessgeräte.

15 Kommentare

  1. Hast mich motiviert diese Adapter zu bestellen. Hatte mir schon mal überlegt diese zu bestellen als ich das Angebot bei Swisscom gesehen habe.

    Bin gespannt wie gut das funktioniert. Ich hoffe dass mein Internet schneller wird wenn ich WLan nicht mehr brauche.

  2. Eine gute Sache. Ich frage mich allerdings, wie hoch die Ersparnis für den Stromverbrauch tatsächlch ist und wie lange es dauert, bis ich die Anschaffungskosten plus die Laufkosten wieder „drin“ habe. Motiviert hat es mich auch – allerdings aufgrund der Kosten momentan lediglich für einen verantwortlicheren Umgang in Sachen Stromgebrauch.

  3. Das Telefon-/Internetsignal über die Stromkabel gibt es ja schon länger. Neu ist jetzt anscheinend einfach die Möglichkeit noch den Stromverbrauch damit zu messen. Gut.
    Mir stellen sich da weitere Fragen welche ich in ein paar wenigen Minuten nicht ausmachen konnte, was aber vielleicht als Anwender doch noch zentral sein könnte:
    – Was passiert mit dem Telefon/-Internetsignal. Haben deine Nachbarn die gleiche Technik greifen Sie dann dein Signal vom Stromnetz ab? (Für das Schalten und Messen ist die Registrierung nötig, da sollte es nicht gehen)
    – Ist der Empfang bei allen Steckdosen gleich gut? Kann das vorgängig ausgemessen werden?

    Steht darüber irgendetwas in den Packungsbeilagen?

  4. Danke für den Beitrag (incl. Disclaimer) – sieht interessant aus. Schade, dass solche Dienste im Moment noch mit ziemlichen Investitionen verbunden sind. Eine Anschaffung tätigt man aus Idealismus – und nicht, weil man mit einem sinnvollen ROI rechnet…
    Übrigens ein Beitrag, den ich gerne kommentiere ;-).

  5. Ich habe ja bereits den Ecowizz Smartplug getestet und den Wattcher, myStrom hast du jetzt erledigt. Für mich nach wie vor ein Manko aller Systeme: Keines kann alles – beziehungsweise bietet diese Möglichkeit.

    Dank dem Wattcher kenne ich meinen Gesamtenergieverbrauch der Wohnung, bisher das sinnvollste was ich hatte. Das sensibilisiert am Meisten. An Ecowizz und myStrom stört mich dass man enorm hohe Ausgaben hat um nur schon 3-4 Steckdosen abzudecken. Selbst dann hat man aber Kühlschrank, Tiefkühler und viele Lampen nicht angeschlossen. Doch genau diese würden mich auch interessieren. Habe einige Halogen-Leuchten mit LED ersetzt und das wirkt sich massiv aus.
    An myStrom und an Ecowizz gefällt mir aber die Web-Anbindung (ob nun kostenlos oder nicht) – aber diese macht es einfach attraktiver und steuerbar von ausserhalb. Für den Wattcher soll ein solches Interface dieses Jahr noch kommen, ich bin gespannt!

    Jedenfalls gehen alle Systeme in die richtige Richtung! Danke für deinen Artikel Christian….

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  7. Ich bin grad die myStrom-Funktion zu testen, da ich von Swisscom 2 ECO LAN Adapter Sets bekommen habe.
    Für den Premium-Account hat man 30 Tage Gratis-Testzeit. Der Jahresbeitrag für den Premium-Account wurde zudem offensichtlich massiv gesenkt und beträgt jetzt nur noch CHF 18.00.

  8. @Marcel
    Ja, seit einigen Wochen ist die Premium Funktion viel günstiger geworden. Ich wollte schon darüber schreiben, auch darüber, dass mir mystrom zum Dank für mein bisheriges mystrom Premium Abo noch einen zusätzlichen Adapter geschenkt hat. Ich finde das System immer noch sehr praktisch.

  9. @ Christian:
    Bei uns messe ich zur Zeit den Stromverbrauch der ganzen Homeoffice-Installation (3 Macs, 1 Laserdrucker, 2 Modem/Router, 1 TimeCapsule, 1 NAS, 2 Schreibtischlampen – o_O) und nutze weitere Adapater, um (voräufig in einem spielerischen Versuch) Lampen und LANs von einfach ein- und ausschalten zu können (noch ohne die ebenfalls im Premium-Account enthaltene Zeit-Programmierung).

  10. @Marcel
    Oh, scheinbar kann man jetzt auch ohne Premium Account ein- und ausschalten. Cool. Ich habe eigentlich auch nur 3 Adapter die ich brauche, könnte dir einen abgeben, da mein Mini-Haushalt gar nicht mehr braucht. Der wichtigste ist sicher auch der, der Synology und Router versorgt, dann einen für Busstop-Lampe, PoE Switch, Airport Express und MacBook Netzteil, den ich bei Abwesendheit abschalte und den dritten habe ich für ein Demosystem welches gerade mal 5 Watt braucht. Den vierten brauch ich im Moment an der Kaffeemaschine, bei den täglich 1 Kaffee braucht der aber wohl mehr Energie als er misst. :-)

  11. Ich habe nun seit einer Woche auch myStrom (aktuell 5 Adapter). Nun gut, die Idee ist nicht schlecht, aber ein ROI werde ich innerhalb nützlicher Zeit kaum erreichen. Wir haben ein Neubau EFH und haben durch Zeptrion zwar viel Komfort, aber offenbar eine enorme Dämpfung für die Signale auf PLC, so dass ich myStrom nur im Keller (wo der Master steckt) nutzen kann. Was ich mich frage, ob man auch mehrere Master zusammen im gleichen Account nutzen kann (pro Etage einen, um das Dämpungsproblem zu umschiffen). In Erfahrung bringen kann ich das nicht, da ich auf meine eMails an myStrom.ch ja keine Rückmeldungen erhalte. Ich bin ferner auch im BeSmart Projekt von Swisscom (welches eigentlich die gleichen Komponenten nutzt) und irgendwie sollten sie die beiden Projekte zusammen nutzen lassen, aber keine Ahnung wie das geht. Mein Fazit heute: Eine nette Spielerei, aber ohne vernünftigen Support und nicht existenten Kundendienst mag ich mich gar nicht weiter mit myStrom abmühen.

  12. „Leider“ habe ich zwischenzeitig auf 9 Adapter erhöht und in meinem Bekanntenkreis weitere Leute von mystrom überzeugt. „Leider“ aus dem Grund, weil mystrom seit rund zwei Monaten praktisch nicht mehr nutzbar ist. Via App ist der Service praktisch nicht mehr zu erreichen, ebenso klappt das Login via WebSite nur in 2 von 15 Versuchen. Ständig erscheint die Meldung „Gateway error“. Die Adapter sind ebenso häufig offline und schalten nicht wie gewünscht.

    Tom Kienle von mystrom erklärt auf Nachfrage, dass man an einer Umstellung der Server sei.
    Ja gut, aber bitte, doch nicht während Wochen und Monaten.

    So schaufelt sich mystrom definitiv das eigene Grab (wenn sie das nicht schon getan hat) und hat keine Chance, dass jemand auf ein Bezahlmodell eintreten würde. Der Mehrwert ist durch die ständigen Ausfälle aus meiner Sicht nun komplett egalisiert. Schade nur, dass ich nun 9 Adapter habe, welche in diesem Sinne unbrauchbar sind.

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