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Tesla – Think different

Als vor 4 Jahren in Amerika der Tesla, ein Sportwagen mit Lotus Karrosserie und Elektroantrieb vorgestellt wurde, hat mich das Konzept nicht überzeugt. Jetzt, 4 Jahre später, hat Tesla in Zürich einen Showroom, gibt Bloggern die Möglichkeit zum testen und verkauft die Fahrzeuge an gutbetuchte Sportwagenfans.

@bloggingtom im Tesla

Nun, obwohl ich mir ja verschiedentlich über Innovation und technologische Entwicklung Gedanken mache, habe ich im Falle Tesla genau die eingefahrenen Gedankengänge geführt, die ich ab und zu bei anderen Firmen kritisiere. Ich war zu stark auf die bisherigen Versuche in Sachen Elektrofahrzeuge fixiert, den europäischen Weg zur Elektrifizierung des Individualverkehrs.

der Sam, ein Auto?

Während in Europa seit bald 20 Jahren immer wieder Elektrofahrzeuge wie der Mini-El oder SAM auf klein-klein und möglichst für eine breite Masse getrimmt wurden, ist man bei Tesla das Thema andersrum angegangen.

Man hat ein leistungsfähiges Spassmobil entwickelt das sich nicht jedermann kaufen kann. Der Vorteil dieser Strategie, man hat nicht denselben Kostendruck, wie wenn man einen 2 plätzigen Kleinwagen mit Elektroantrieb auf den Markt bringen will.

Jedermann, der sich einen Porsche als Zweitfahrzeug leisten kann, kann sich auch einen Tesla leisten. Jedermann der einen Sportwagen als Zweitfahrzeug besitzt hat Freude an Leistung und Innovation und wird sich über die neuen Möglichkeiten eines elektrisch angetriebenen Fahrzeugs freuen. Sportwagenfahrer benutzen ihre Lieblinge bei schönem Wetter, am Wochenende und meistens auf geplanten Routen. Damit kann man Ausflüge jederzeit an die begrenzte Batterieleistung anpassen.

Das Fahrzeug wird, im Gegensatz zu elektrifizierten Varianten von Serienfahrzeugen wie dem Mini-E oder dem Electric Smart, nicht mit einer Benzin- oder Dieselgetriebenen Variante verglichen.

Mini-E am Flughafen München am Tanken


Tesla hat sich also die Freiheit geschaffen, ein Fahrzeug zu entwickeln und zu verkaufen, das von vornerein für eine Spassgesellschaft entwickelt wurde. Man kann durchaus qualitativ höherwertige Komponenten verwenden und vorallem werden die Erfahrungen die man mit dem Tesla Roadster macht, irgendwann auch in die Entwicklung und Produktion von alltagstauglicheren Fahrzeugen fliessen. So hat Tesla auf 2012 eine Limousine, das Model S, angekündet und ist in Zusammenarbeit mit Toyota an einer elektrischen Variante des RAV4 zu arbeiten.

Tesla Model S, verfügbar ab 2012

Ich bewundere heute diesen Ansatz von Tesla Motors und bin überzeugt, dass hier ein Autokonzern entsteht der uns in die Zukunft begleiten wird. Tesla hat den Vorteil, dass man einerseits etwas von Grund auf neues geschaffen hat, anderseits aber auch bewährte Konzepte übernommen hat. So zum Beispiel die Karrosserie, die vom Lotus Elise stammt und schon lange durch ihre Leichtigkeit bewährt war. Dadurch konnten sicher die Kosten in diesem Bereich sehr tief gehalten werden.

Ich bin gespannt wie sich die Zukunft des Elektromobils entwickelt, ich denke aber, dass sich sowohl das Schweizer Konzept SAM genausowenig durchsetzen wird wie die elektrifizierten Mini’s. Einerseits sind die Entwickler der Kleinstelektrofahrzeuge zu starke Idealisten, anderseits die bekannten Automodelle zu starke Einschränkungen für diese neue Technologie. Im Endeffekt werden pure Elektrofahrzeuge wie der Volt von General Motors, der Nissan Leaf oder der Mitsubishi Mief die Technologie weiterbringen.

Tesla ist aber heute der Technologieführer und wird diese Position noch einige Zeit halten können, so wie Toyota dies im Bereich Hybridfahrzeuge gemacht hat. (Und ich überlege mir jetzt einen Plan wie ich auch zu einer Probefahrt mit dem Tesla komme)

17 Kommentare

  1. Pingback: Markus Tschannen

  2. kennst du den Beitrag im #TagiMagi ? http://dasmagazin.ch/index.php/tesla
    Zwei Aspekte sind meiner Meinung nach kritisch zu diskutieren: 1) es gibt eine kleine aber ernstzunehmende Nachfrage nach Elektromobilen, v.a. für stinknormale Wagen, keine teuren Fhz. – Wieso hat es die die Autoindustrie im 2010 nicht geschafft, alltagstaugliche Elektrofahrzeuge in Serie zu produzieren.
    2) bei allem Lob und Freude für Fahrzeuge mit Alternativ Antrieb, das Verkehrsaufkommen darf nicht unbegrenzt weiterwachsen, v.a. nicht in den Städten. Das wäre fatal.

  3. Tolles Auto, jetzt fehlt nur noch sauberer Strom im Überfluss. Das schlechte Gewissen wird in der Mobilität wohl immer ein treuer Beifahrer bleiben. Trotzdem: Way to go Tesla!

  4. @flog
    Ich denke halt schon, dass dieser kleine Markt erst dann bedient werden kann, wenn die Komponenten bezahlbar werden. Bis dahin ist eine Entwicklung in diesem Segment zu teuer. Ich bin aber gespannt wie sich der Leaf von Nissan in diesem Segment machen wird. Die Fahrzeuge werden sicher im Vergleich zu normalen Fahrzeugen um einiges teurer sein. Anderseits spart man ja dann im Betrieb.

    Danke für den Link zur Tankstelle. :-) Hauptsache Tankstelle.

    @gis
    Danke für den Hinweis. Die habe ich wirklich vergessen. Obwohl, deren Auto sieht ja aus wie ein Leichenwagen und, was für Knatsch?

  5. Kein fossiler Treibstoff brauchen ist das eine. Die ganze Zunahme des Individualverkehrs, Parkplatzmangel und das Recyclen von Akkus wird uns wohl weiter beschäftigen.

  6. der weg, den tesla beschreitet ist der logisch richtige. seit beginn waren neuste technische errungenschaften in der automobiltechnik immer im hochpreissegment angeordnet. dieser umstand wird zu oft vernachlässigt, wenn neue technologien gefordert werden. lösungen im niederpreissegment werden folgen, wenn die technik durch entwicklung und nachfrage günstiger wird. bis dahin sind die niederpreislösungen (leider) mehr für die idealisten.
    neben dem finanziellen und technischen aspekt ist der schritt von tesla auch sozial wichtig: der durchbruch der elektrofahrzeuge wird dann gelingen, wenn es salonfähig wird, ein elektrofahrzeug zu haben. wenn einmal damit status signalisiert wird (statt mit unsinnig saufenden riesenmotoren), werden immer mehr leute entsprechende technik fahren wollen.

  7. zum Thema „Tankstelle“
    das Aufladen der Batterien (und die dazu notwendige Zeit) wird oft als Nachteil der gesamten Elektro Idee dargestellt. Aber eigentlich sollte es bei der „Tankstelle“ der Zukunft ganz anders ablaufen: leere Batterie raus – volle Batterie rein – ready! Die Industrie soll sich bitte so rasch wie möglich auf Standards festlegen (Abmessung, Spannung, Leistung, etc.) – nicht, dass wir hier den gleichen Akku- und Ladekabel Salat wie bei den Gadgets erleben.

  8. # Elektroautos gehören zu den systemimmanenten Lösungen, da die Emissionen nur verlagert werden. Die Atomisierung der Gesellschaft, der Verfall der Öffentlichkeit, der Tod der Städte, um nur die wichtigsten Folgen des Individualverkehrs zu nennen, bleiben bestehen. Zudem ersetzt und verdrängt diese Technologie die existenziell wichtige Eigenbewegung.

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  13. Zum Thema „Tankstelle“ (Update JUN-14)
    TESLA ist sich der Problematik „Range Anxiety“ bewusst und hat daher das Prinzip „Battery Swapping“ bereits in Arbeit (Vorgestellt vor ca. einem Jahr), wo die Batterie – wie von FLOG gefordert – innert 90 Sekunden vollautomatisch ausgetauscht wird.
    Ob das Prinzip flächendeckend eingesetzt wird, ist fraglich – allerdings hat sich zumindest schon mal jemand Gedanken in dieser Richtung gemacht.
    In der Zwischenzeit baut TESLA das Supercharger-Netzwerk weltweit weiter aus und bis Ende 2015 wird man auf allen Hauptverkehrsachsen in Europa seinen TESLA innert 20 Minuten zu 50 % aufladen können – und dies, ohne an der „Tanksäule“ weitere Kosten zu verursachen!
    Erklärtes Ziel von TESLA ist es, die Ladezeit von 20 auf 5 Minuten zu reduzieren.

    Siehe auch http://www.youtube.com/watch?v=H5V0vL3nnHY

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